Wie Lehrer mit Unterrichtsstörungen umgehen sollten

Wie reagiert man als Lehrer auf Unterrichtsstörungen? Die Lehrkräfte, die ich so in meiner Schulzeit hatte, verfuhren in etwa so: Sie bestraften die Schüler*innen, die sich nicht an ihre Regeln hielten. So mussten einige von uns z.B. Zusatzaufgaben erledigen, Gedichte auswendig lernen, lange sinnlose Aufsätze über das Innenleben eines Tischtennisballes schreiben oder wie Bart Simpson 100 Mal den gleichen stupiden Satz untereinander reihen. War die Unterrichtsstörung gravierender, wurde eine Nacharbeit angeordnet, ein Tadel bzw. ein Verweis ausgesprochen oder gleich mit der Schulleitung und weiteren schulrechtlichen Konsequenzen gedroht.

Tempi Passati? Von wegen!

Das war vor mehr als 20 Jahren. Doch im Grund hat sich nicht viel verändert. Denn auch heute sind solche Strafen noch üblich. Was Lehrkräfte mit ihnen bezwecken wollen, liegt auf der Hand: Unangemessenem Verhalten Grenzen setzen und Einhalt gebieten. Die Querulant*innen sollen sich wieder an die Regeln halten. Dazu werden sie diszipliniert. Nur so können die Lernziele erreicht werden. Diesen gilt es sich unterzuordnen. Darüber hinaus erkennen sie dann hoffentlich auch wieder die Autorität der Lehrkräfte an.

Regeln, Disziplin, Gehorsam, Unterordnung, Autorität – wer nach diesen Prinzipien verfährt, erwartet das Gleiche von seinen Schüler*innen wie die Herrscher im 19. Jahrhundert von ihren Untertanen: Ruhe. Genau das erhoffen sich viele Lehrer, wenn sie Schüler, die den Unterricht stören, bestrafen. Aus der Sicht der Lehrkräfte und der Schule mag das auf den ersten Blick durchaus sinnvoll erscheinen. Aber auf Dauer lösen Strafen allein das Problem nicht – im Gegenteil: Sie verschleppen es nur.

Erziehung ist gleich Beziehung

Stattdessen sollte man eine Unterrichtsstörung vielmehr als eine Art Einladung betrachten – nämlich als Gesprächsangebot der Schülerin oder des Schülers. Schon Albert Einstein bemerkte: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise löst, durch die sie entstanden sind

Deshalb sollten Lehrerinnen und Lehrer auf Unterrichtsstörungen auch anders reagieren als lediglich mit einer Bestrafung. Klar gibt es Fälle, da lässt sich eine Strafe nun einmal nicht vermeiden. Sie darf nur nicht die einzige Reaktion sein. Denn jede Unterrichtsstörung ist ein Bote und ein Bote überbringt – nüchtern betrachtet – zunächst nur eine Botschaft. Doch welche das ist, müssen Lehrkräfte erst herausfinden. Was bewegt ihn? Wieso verhält er sich so? Das herauszubekommen, kann nur mithilfe des betreffenden Schülers gelingen – alles andere wäre Interpretation oder Spekulation. 

Deshalb sollten Lehrkräfte dieses Angebot annehmen. Eine Strafe können sie immer noch verhängen. Denn wer den Unterricht stört, will eigentlich nur darauf hinweisen, dass auf der Beziehungsebene etwas nicht stimmt. 

Die Lehrkräfte sehen die Unterrichtsstörung aber häufig nur von der fachlichen Ebene her.