Die Illusion der eigenen Unverwundbarkeit

Der Mensch ist schon ein eigenartiges Wesen. Er mag es nicht, sich zu verändern. Selbst dann nicht, wenn andere ihn auf mögliche Gefahren seines gegenwärtigen Verhaltens aufmerksam machen.

Doch warum ist das so? Weshalb nehmen manche Menschen und Organisationen potenzielle Bedrohungen nicht wahr und machen stattdessen unbeirrt weiter? Warum fahren manche Skifahrer auch bei höchster Lawinenstufe abseits von gesicherten Pisten? Wieso treiben Übergewichtige über Jahre hinweg keinen Sport und ernähren sich dabei auch weiter ungesund? Warum verharren Unternehmen in einer Schockstarre, obwohl die Verkaufszahlen seit Monaten rückläufig sind?

„Uns wird schon nichts passieren!“

Psychologen erklären solche Verhaltensmuster u.a. mit der Illusion der eigenen Unverwundbarkeit. Viele denken nämlich, dass sie unverwundbar sind. Getreu dem Motto „Mir ist bislang ja nichts passiert, warum soll denn ausgerechnet mir jetzt so etwas passieren?“ spielen sie das Risiko eines Lawinenabgangs, eines Herzinfarktes oder einer Unternehmenspleite herunter.

Stattdessen vertreten sie die Meinung, dass solche Gefahren andere treffen können, aber nicht sie. „Ich rase gerne und fahre seit 20 Jahren unfallfrei. Weshalb soll gerade mir ein Unfall passieren?“, denkt sich da der Autofahrer. Was ihm fehlt, ist die persönliche Unfallerfahrung. Würde er diese besitzen, würde er sich und seinen Fahrstil verändern. „Ich verliere meinen Job doch nicht“, dachte sich schon so manche Angestellte oder so mancher Arbeitnehmer und war dann überrascht, als die Kündigung auf den Tisch flatterte.

Warum wir uns nicht verändern wollen

Manchmal wollen sich Menschen oder gar ganze Organisationen nicht verändern. Weil die negativen Konsequenzen, die ihnen drohen, viel zu abstrakt sind, um einen echten Veränderungswillen zu erzeugen. Deshalb verändern sie auch nichts. Sollen sich doch die anderen verändern! Warum ich? Warum wir? 

Zeigt uns jemand eine mögliche Drohkulisse auf, hören wir nicht hin. „Ach was, uns wird schon nichts passieren, wenn wir die präparierten Pisten verlassen, weiterhin keinen Sport treiben, aber an Gewicht zulegen und in unserem Unternehmen nichts verändern.“

Hoffentlich täuschen wir uns da nicht…