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Woran man eine gute Schule erkennt

Glaubt man dem Deutschen Philologenverband entfallen jede Woche in Deutschland etwa rund eine Million Unterrichtsstunden – rund acht Prozent des gesamten Unterrichts. Ob dieser Wert allerdings stimmt, ist schwer zu überprüfen, denn jeder versteht unter Unterrichtsausfall etwas anderes.

Deshalb erst mal schön der Reihe nach: Ist eine Lehrkraft krank, auf Fortbildung, mit einer anderen Klasse unterwegs oder aus anderen Gründen nicht in der Lage zu unterrichten, fallen ihre Stunden erst einmal aus. Das freut die Schüler (je nach Fach und Lehrkraft) mal mehr oder mal weniger. Die Eltern hingegen ärgern sich – vor allem dann, wenn wenige Wochen später schlechte Leistungen zu beklagen sind. Dabei fällt der Unterricht in vielen Fällen nicht einmal aus. Stattdessen wird er vertreten und taucht damit auch kaum in den offiziellen Statistiken auf; selbst dann nicht, wenn der Deutschlehrer den Mathekollegen vertreten und weder das eigene noch das andere Fach unterrichtet hat.

Film schauen, Hangman spielen, daddeln

Denn Vertretungsstunden ähneln Zwangsgemeinschaften von 45 oder 90 Minuten, die oft auch noch recht spontan zustande kommen, wenn Schüler wie Lehrer erst am selben Tag davon erfahren. Die Begeisterung ist meist auf beiden Seiten nicht allzu groß, schließlich könnten beide Parteien in dieser Zeit Sinnvolleres machen, als sich gegenseitig zu unterhalten.

Kaum verwunderlich also, dass an vielen Schulen kein durchdachtes Konzept für den Umgang mit Vertretungsstunden vorliegt. Meist entscheiden die Lehrkräfte selbst, wie sie ihre Vertretungsstunden gestalten. So erlauben die einen den Schülern, ihre Hausaufgaben zu machen, andere erteilen Fachunterricht oder beaufsichtigen die Klasse beim Erledigen eines Arbeitsauftrages, den die abwesende Lehrkraft freundlicherweise erteilt hat. Wieder andere gönnen den Schüler Erholung bzw. Freizeit, schauen mit ihnen einen Film, lassen sie Hangman spielen oder gar die ganze Zeit auf ihren Smartphones herumdaddeln.

Was für eine Gelegenheit!

Letztendlich ist es egal, wie die Vertretungsstunden an solch einer Schule erteilt werden – was fehlt, ist ein Konzept. Daran erkennt man eine gute Schule. Denn solche durchdenken ihre Schule bis in die kleinsten Details. Und dazu gehört nun auch einmal der Unterricht, der nicht stattfindet. Natürlich könnte man Arbeitsaufträge von den abwesenden Kollegen fordern, Vertretungslehrer dazu zwingen, Unterricht zu erteilen, oder alle dazu anweisen, die Schüler bei ihren Hausaufgaben zu unterstützen. Im Grund spricht nichts gegen eine derartige fachliche Förderung.

Doch was für eine Gelegenheit bieten Vertretungsstunden, um die Schüler in ihrer Persönlichkeit zu entwickeln. Mit einem gut durchdachten Konzept könnte man ihnen die Kompetenzen und Soft Skills näherbringen, die vonseiten der Wirtschaft und von den Lehrern selbst so oft bemängelt werden. Vertretungsstunden eignen sich hervorragend, um mit unterschiedlichen Menschen und ihren Eigenarten zurechtzukommen – ein besseres Training fürs Leben gibt es nicht.

In Vertretungsstunden könnte man das Selbstwertgefühl der Schülerinnen und Schüler stärken, ihnen mal wieder gestatten, kreativ zu sein. Der eine Lehrer könnte ihnen zeigen, wie man gute Entscheidungen trifft, ein anderer wie man mit Rückschlägen am besten umgeht. Die schlanke Sportlehrerin wäre ideal dafür geeignet, den Schülern zu zeigen, wie man sich körperlich gesund ernährt und fit bleibt, der Wirtschaftslehrer wie man mit Geld richtig umgeht. Auch andere Soft Skills wären trainierbar: Wie gehe ich mit Informationen um? Wie bewege ich mich sicher in sozialen Netzwerken?

Woran man eine gute Schule erkennt

Auch externe Partner könnten das Konzept bereichern, schließlich fallen jeden Tag Stunden aus. Warum nicht mal einen Gedächtniskünstler einladen, der den Schülerinnen und Schülern zeigt, wie man sich Dinge gut merken kann? Weshalb nicht einmal einen Motivationstrainer engagieren, der den Klassen zeigt, wie man aus sich heraus das erreicht, was man erreichen will? Eine schier unbegrenzte Anzahl an Möglichkeiten…

Eine Schule mit Lehrkräften, die in Möglichkeiten und nicht in Problemen denken, ist eine gute Schule.

Daran erkennt man sie.

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