Erinnern Sie sich noch, wie es sich als Schülerin oder Schüler angefühlt hat, wenn die Pausenglocke geschrillt hat? Und ja, ich meine auch wirklich geschrillt. Von einem Gong, wie er heute an vielen Schulen üblich ist (manche kommen mittlerweile auch ohne aus), konnte an meiner Grundschule vor 30 Jahren noch keine Rede sein. Und trotz dieses ohrenbetäubenden Lärms sind wir gerne in die Pause gegangen. Wenn unser Grundschullehrer sich nur anschickte, ein paar Minuten zu überziehen, haben wir uns lauthals beschwert. Denn die Pause war uns heilig, auch wenn sie stets viel zu kurz war.

Dieses Gefühl kennen Lehrerinnen und Lehrer heute sicherlich nur zu gut: Kaum ist man im Lehrerzimmer zur Ruhe gekommen, ist die Pause auch schon wieder vorbei und der Erholungseffekt gleich Null. Verständlich, dass für etliche Lehrkräfte Pausen mittlerweile Stress bedeuten. Dabei sollte eine Pause vorübergehend „zum Stillstand bringen“. Doch an dem Ort, wo das Kollegium seine Pausen genießen könnte, herrscht oftmals hektisches Treiben.

Dabei wäre es nicht nur in den Pausen wichtig, dass das Lehrerzimmer einer Schule den Rückzugsort schlechthin für das gesamte Kollegium bietet. Generell sollte ein Lehrerzimmer ein Ort zum Entspannen, zum lockeren Plaudern und zum gerne Verweilen sein – kurzum ein Ort, an dem man sich gegenseitig wertschätzt und unterstützt.

Wie ist das an Ihrer Schule?

Ein Lehrerzimmer zu einer solchen Oase der Ruhe und des kollegialen Beistands zu gestalten, ist ein Prozess, den man in einer Schule einleiten kann, wenn das Kollegium dies wünscht und alle in dieser Hinsicht auch an einem Strang ziehen wollen.

Einfacher ist es dagegen, sich selbst die Hoheit über seine Pause zurückzuerobern. Dies gelingt am besten, indem man sich seiner ganz persönlichen Filterfunktion wieder bewusst wird. Dabei sondert man alles aus, womit man sich in seiner Pause partout nicht beschäftigen will, und konzentriert sich ausschließlich auf die Tätigkeiten, die entspannend wirken und einem neue Kraft geben. Welche Tätigkeiten das in Ihrem speziellen Fall sind, wissen Sie am besten. Manche Kolleginnen und Kollegen lesen gerne Zeitung, anderen betreiben lieber bei einer Tasse Kaffee Smalltalk, ganz andere wiederum hören in ihren Pausen lieber Podcasts oder klassische Musik.

Alles was gefällt, ist erlaubt

Auch das Ziehen von klaren Grenzen. Nämlich dann z. B., wenn sich eine Kollegin oder eine Kollege zum wiederholten Mal über eine Klasse oder einen bestimmten Schüler beschwert und mit ihrer Litanei partout nicht aufhören will. Gerade dann sollte man sich wieder daran erinnern, wie man selbst als Kind in den Pausen nur das getan hat, wonach einem an dem Tag der Sinn stand… Deshalb plädiere ich dafür, das Kind von einst in uns wieder zum Leben zu erwecken. Denken Sie auch mal wieder an sich! Übrigens gab es in meiner Grundschule auch ein Lehrerzimmer. Aber das war in den Pausen immer leer. Die Lehrkräfte haben es nämlich vorgezogen, auch in den Schulhof zu gehen und dort in einer Gruppe herumzuspazieren. Wahrscheinlich war das ihre liebste Pausenbeschäftigung. Und Recht hatten sie. Gehen Sie oder Ihre Kolleginnenen und Kollegen heute eigentlich noch freiwillig in den Schulhof?