Selbstverständlich strebt jede Schule heutzutage eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern an. Schließlich steht ja das Wohl der Kinder in ihrem gemeinsamen Interesse. Von offenem Dialog, Erziehungspartnerschaft und Schulfamilie ist da die Rede. Klingt in der Theorie alles ganz schön. Doch die Praxis sieht leider anders aus.

Denn da hat man nach wie vor das Gefühl, dass viele Schulen die Eltern immer noch als die schwarzen Schafe der Familie ansehen – jene Familienmitglieder, die man nur einlädt, wenn man nicht anders kann. Weil etwas Gravierendes vorgefallen ist oder eine besondere Veranstaltung ins Haus steht.

In der Tat reden Lehrer und Eltern meist nur miteinander, wenn sie – wie z. B. bei Elternabenden oder Elternsprechtagen – müssen oder wenn es ein Problem gibt. Von wertschätzendem Dialog und offen aufeinander zugehen, ist man weit entfernt.

Eine simple Frage

Dabei wäre es für die Schule so einfach, die Eltern stärker in die Schulgemeinschaft miteinzubeziehen. Sie müsste sie einfach nur mal nach ihren Erwartungen fragen. Was erwarten sich Mütter und Väter eigentlich von der Schule? Was erwarten sie sich von der Lehrkraft und von deren Unterricht?

Lehrer und Eltern haben sowohl gemeinsame als auch unterschiedliche Interessen. Doch statt sich diese gegenseitig so früh wie möglich bewusst zu machen, wartet man erst einmal in Ruhe ab. Das Schuljahr plätschert dahin. Irgendwann ist Elternabend, doch der läuft an vielen Schulen immer noch so wie vor 20 Jahren ab. Die Lehrer reden, die Eltern hören zu.

Dabei wäre es andersherum doch wirklich mal ein Gewinn, Einblicke in die Perspektive der Eltern zu gewinnen. Wie man das konkret macht, kann jede Schule und jede Lehrkraft letztlich ja für sich entscheiden – im persönlichen Gespräch, am Elternabend, mit einem Fragebogen oder in einem Eltern-Café. Hauptsache, man geht aktiv auf die Eltern zu und hört ihnen auch aktiv zu.

Denn nur so lernt man die Erwartungen seines Gegenübers kennen und kann automatisch Konflikten vorbeugen, die das gemeinsame Verhältnis im Endeffekt unnötig belasten würden. Das spart beiden Seiten auf Dauer Zeit und Kraft. Und ganz nebenbei erhalten die Eltern eine Möglichkeit, einen sinnvollen Beitrag zur Unterrichts- und Schulentwicklung zu leisten. Das ist echte Wertschätzung.