Jede Lehrkraft kennt diese Momente, in denen einem die Freude am Beruf plötzlich abhanden kommt, weil irgendetwas nicht so läuft, wie man das gewohnt ist. Auf einmal ist die ganze Klasse schwierig und ein einziger Störfaktor, die Schulleitung legt einem nur noch Steine in den Weg und die Inhalte des Faches interessieren einen selbst nicht mehr. Der Frust breitet sich auf der ganzen Linie aus.

Das ist nicht schlimm, wird aber prekär, wenn das Gefühl über einen längeren Zeitraum anhält. Eine Möglichkeit, wieder zu Motivation und Freude im Beruf zurückzufinden, kann darin bestehen, sich seine Motive, weshalb man den Beruf als Lehrerin oder Lehrer einst überhaupt ergriffen hat, klarzumachen. Denn dass diese Motive noch die gleichen sind wie unmittelbar vor oder nach dem Referendariat, muss nicht unbedingt sei

Unsere Motive wandeln sich

Im Laufe des Berufslebens können sich Motive verändern. Wer zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn noch das fachliche Wissen als wichtigstes Motiv erachtet hat, gewichtet heute vielleicht die Beziehungen zu seinen Schülerinnen und Schülern stärker oder misst den Methoden eine größere Bedeutung zu.

Deshalb ist es eigentlich unerlässlich, von Zeit zu Zeit seine Motive zu klären – gerade dann, wenn schon länger Frust statt Lust herrscht. Am besten gelingt dies, indem man sich zunächst alle Motive aufschreibt, die man bei der täglichen Arbeit für wichtig befindet. Neben den bereits genannten könnten das also weitere Motive wie z.B. die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, das liebe Korrigieren, die Notengebung, der Umgang mit Kolleginnen und Kollegen, die Zusammenarbeit mit der Schulleitung usw. sein.

Was ist Ihnen heute wichtig?

Nachdem Sie diese Frage geklärt haben, sollten Sie ein Ranking der Motive erstellen. Dazu könnten Sie bspw. alle Motive auf einer Skala von 0 bis 10 Punkten (je nach Wichtigkeit) bewerten und sie anschließend in eine Rangfolge bringen. Gehen Sie dann die Rangliste Stück für Stück durch und finden Sie das Motiv heraus, dass dafür verantwortlich ist, dass Ihre berufliche Freude gerade getrübt ist.

Steht das Motiv am Ende Ihres Rankings, haben Sie sich entweder in seiner Wichtigkeit getäuscht (da es offenbar dazu in der Lage ist, Ihnen den Beruf madig zu machen) oder die Gelegenheit, zu erkennen, dass die augenblickliche Unlust lediglich durch ein Ihnen nicht so relevantes Motiv verursacht wird. 

Je höher das Motiv allerdings in der Rangliste steht, umso ernster sollten Sie die Sache angehen. Eine Lehrkraft, die ihr ganzes Selbstwertgefühl bisher auf ihr fachliches Wissen gelegt hat, muss zwangsläufig Frust erfahren, wenn den Schülerinnen und Schülern das Fach herzlich egal ist. Sollte ein solcher Motivkonflikt vorliegen, kann man vielfältig darauf reagieren..

Neue Wege, neue Motive 

Entweder Sie schlagen neue Wege ein oder Sie tauschen das Motiv gegen ein anderes in der Tabelle aus. Im eben genannten Fall könnte die Lehrkraft z.B. ein klärendes Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern über den Stellenwert des Faches führen, um so mehr über ihre Einstellung zu erfahren. Eine weitere Möglichkeit wäre zudem, das Motiv des fachlichen Anspruchs herabzustufen und z.B. durch das Motiv vertrauensvoller Lehrer-Schüler-Beziehungen zu ersetzen.

Meist kommt dann die Freude von ganz allein zurück.