Na, haben Sie schon alle Geschenke? Wie, noch nicht? Dann aber mal los! Schließlich ist in weniger als einem Monat Heiligabend. Und seinen Liebsten nichts zu schenken, geht gar nicht. Das merken sogar irgendwann um den 23. Dezember herum die, die sich eigentlich fest vorgenommen hatten, sich dieses Jahr „mal ausnahmsweise nichts zu schenken.“

So bleibt es meist beim Vorsatz. Nur die Hartgesottensten halten eisern durch. Viele geben irgendwann auf – und besorgen dann doch noch ein Geschenk. Schließlich bereiten Geschenke ja nicht nur dem Beschenkten Freude. Doch warum ist das so?

Vom Zauber des Schenkens

Weil jedes Geschenk eine schöne Überraschung ist. Und Überraschungen wecken unsere Neugier. Schon allein dadurch, dass das Geschenk verpackt ist. Das Geschenkpapier hütet ein Geheimnis, hält eine Antwort zurück. Eine Antwort, die nur derjenige kennt, der uns das Geschenk macht. Es versetzt ihn in Erwartungsfreude: Wird dem Beschenkten das Geschenk gefallen? Weiß er oder sie, was ich ihm schenke?

Auch die Rolle des Beschenkten macht Spaß. Wir sind neugierig und wollen wissen, was man uns schenkt. Vielleicht haben wir schon eine Vermutung. Oder keinen blassen Dunst. Dann könnten wir ja einfach mal ins Blaue raten, was man uns schenken will. Vielleicht verrät sich ja der Schenker. Irgendwann halten wir die Spannung nicht mehr aus. Wir reißen das Papier auf und lüften das Geheimnis. Schon in den ungewissen Augenblicken flutet das Glückshormon Dopamin unser Gehirn. Es geht uns richtig gut.

Anders sehe es freilich aus, wenn der Schenker beim Überreichen der Schachtel auf die Verpackung verzichtet hätte und uns unser Geschenk einfach nur in die Hand drücken würde. Sicher, wir würden uns bei ihm bedanken, aber irgendetwas würde fehlen. Genauso wäre es, wenn man uns das Geheimnis hinter dem Geschenkpapier einfach so verraten würde, noch bevor wir das Papier aufreißen könnten. Denn was einem verraten wird, kann man nicht mehr selbst herausfinden.

Präsentation des Wissens

Die Beispiele zeigen: Wir sind gerne neugierig und lieben es, die Dinge selbst zu entdecken: das neue Smartphone, das nagelneue Auto, das neue Restaurant, ein neues Urlaubsziel. Viele von uns waren schon als Kinder kleine Forscher und sind es auch heute noch.

Umso erstaunlicher, dass viele Seminare, Fortbildungen und Schulungen kaum noch auf diese Zutat setzen. Zwar liest man immer wieder in den Vorankündigungen, dass man als Teilnehmerin bzw. Teilnehmer Neugierde mitbringen sollte (!). Doch spätestens, wenn man den Referentinnen oder Referenten gegenübersitzt, läuft alles nur noch nach Schema F ab. Überraschungen? Fehlanzeige. Die Präsentation vorgefertigt, das Material auch, das Ergebnis sowieso.

Statt Offenheit, Kreativität und Neugierde dominiert die Vermittlung von Antworten und Fakten. Verschleiert mithilfe von Gruppenarbeit, bunten Kärtchen, Blitzlichtrunden & Co. Irgendwo auch logisch. Schließlich müssen die Trainer und Referenten unter Beweis stellen, dass sie etwas auf dem Kasten haben. Das können sie nur, indem sie ihr Wissen auch preisgeben. Wieso sollten sie es demnach verheimlichen?

Entdecken und wachsen lassen!

Aus einem ganz einfachen Grund: Aus Respekt vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie sollten die Möglichkeit erhalten, selbstständig über den Sachverhalt nachzudenken und eigene Ideen und Lösungen zu entwickeln. Was einem verraten wird, kann man nun mal nicht selbst herausfinden.

Die eigenen Erkenntnisse stärken nämlich am meisten. So entwickelt man sich weiter. Genau das macht gute Fortbildungen und kompetente Referenten aus. Ihnen liegen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ehrlich am Herzen. Aus diesem Grund präsentieren sie nicht nur ihr Wissen, sondern halten sich auch bewusst mit Fakten und Antworten zurück.
Das kostet zwar mehr Aufwand, rechnet sich aber in jeder Hinsicht. Genauso wie ein schönes Geschenk unterm Weihnachtsbaum.

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