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Von fremden Branchen lernen 

Vor ein paar Wochen traf ich mich mit einem potentiellen Auftraggeber aus der Automobilbranche zu einem persönlichen Vorgespräch. Nachdem er mir seine Ideen und die Gründe für die angestrebten Veränderungen offen gelegt hatte, musterte er mich prüfend. Ich widerstand seinem Blick, und er stellte mir die Frage, die ihm schon die ganze Zeit auf der Zunge lag: „Herr Diedenhofen, welche Erfahrungen haben Sie denn überhaupt in unserer Branche?“ 

Ich antwortetet ehrlich: „Keine.“ Für einen kurzen Moment entglitten ihm seine Geschichtszüge. Mit dieser ehrlichen Antwort hatte er nicht gerechnet. Er ließ sich in seinen Stuhl zurückfallen und schnappte nach Luft. Für mich war diese Situation alles anders als ungewohnt. Ich erlebe sie genauso in nahezu jedem Vorgespräch. Trocken fügte hinzu: „Ich habe keine Erfahrung in Ihrer Branche, ich komme aus dem Bildungswesen und war über 15 Jahre lang gerne Lehrer für Deutsch und Geschichte.“ 

Frische Ideen oder altes Wissen?

Nun war mein potentieller Auftraggeber nicht nur überrascht, sondern auch noch enttäuscht. Das lag vor allem am negativen Image meines bisherigen Berufs als Lehrer. Doch bevor er darauf auf irgendeine Weise eingehen konnte, ergriff ich erneut das Wort:  „Wenn Sie natürlich das hören und sehen wollen, was in Ihrer Branche eh schon längst „state of the art“ ist, würde ich mich an Ihrer Stelle nicht engagieren. Wenn Sie aber an neuem Know-How interessiert sind, Neues ausprobieren wollen und an frischen und provozierenden Ideen Interesse haben, bin ich Ihr Mann.“ 

Meine Worte wirkten und mein Gesprächspartner kam ins Grübeln. Da hatte er im Vorfeld schon alles haarklein durchdacht: Was in seinem Unternehmen verändert werden sollte und wieso. Wie es nach dem Change-Projekt aussehen sollte und wie es durchgeführt werden könnte. Im Grunde genommen brauchte er überhaupt keinen Querdenker und Change Agent wie mich! 

Von fremden Branchen lernen

Die meisten Menschen sind nun mal eben blind für das, was außerhalb ihrer Branche passiert. Und genau auf diesen blinden Fleck hatte ich meinen potenziellen Auftraggeber hingewiesen. Wir wissen leider nur, was wir bereits kennen. 

Wer sich verändern möchte oder muss, sollte sich nicht nur in der eigenen Branche umhören, sondern vom Wissen und von den Erfahrungen aus fremden Branchen lernen und profitieren. Genau das macht den berühmt-berüchtigten Blick über den Tellerrand letztlich doch aus! Man schielt in andere Branchen, betreibt dort Benchmarking, und lernt Prozesse, Strukturen oder Führungsverhalten aus anderen Perspektiven kennen. 

Diese frische und unvoreingenommene Herangehensweise an Veränderungsprojekte im eigenen Unternehmen hat letztlich schon viele meiner potenziellen Auftraggeber überzeugt. Am Ende bekam ich auch in diesem Fall den Auftrag und durfte das Unternehmen bei seinem Veränderungsprozess begleiten. 

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