„Herr Diedenhofen, Sie müssen unbedingt mal zu uns kommen!“
Ich blicke die Dame, die mich nach meinem Seminar noch kurz sprechen wollte, neugierig an.
„Darf ich fragen, wieso?“
„Unser Chef braucht dringend einen Coach!“

Seit fast drei Jahren gebe ich Lehrerfortbildungen und Seminare. Und keine Veranstaltung vergeht ohne diesen Satz. Mal sind es verzweifelte Lehrkräfte einer Grundschule, mal die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens oder eines mittelständischen Betriebes. Ja, sogar gute Freunde und Bekannte bitten mich hin und wieder bei gemeinsamen Unternehmungen oder Einladungen um Hilfe:

„Du muss dich mal unserer Schulleiterin annehmen. Die braucht dringend ein Coaching!“
„Mein Vorgesetzter könnte einen wie dich gut gebrauchen.“

So geschmeichelt ich mich in diesen Momenten auch fühle, muss ich jedes Mal doch klarstellen: „Nein, ich komme nicht.“

Voraussetzung für ein Coaching

Denn das wäre nicht im Sinne des Erfinders. Nicht der Coach ersucht um ein Coaching, sondern der Klient. Das ist die Gelingensbedingung für ein Coaching. Der Änderungswunsch muss vom Klienten ausgehen und nicht von seiner Mitarbeiterin, seinem Untergebenen oder dem Kollegium.

Erst wenn die Schulleiterin oder der Chef selbst um ein Coaching bittet, ist sie oder er dazu bereit, Unterstützung anzunehmen. Solange eine Vorgesetzte oder ein Vorgesetzter allerdings in ihrer bzw. seiner Komfortzone verharrt, liegt ihr oder ihm wenig an einer Veränderung des Status Quo.

Coaching muss man wollen

Aus Erfahrung weiß ich: Wer zu einem Coaching gezwungen wird, sperrt sich meist gegen die vielen Ideen, Ziele und Entwürfe, die dabei herauskommen könnten. Selten ist so jemand mit Engagement bei der Sache.

Sich unter Zwang oder auch per Anordnung coachen zu lassen, ist daher keine gute Idee. Denn wo kein Wille ist, ist auch selten ein Weg. Deshalb klappen die meisten von Führungskräften und Vorgesetzten angeordneten Coachings nicht – und trotzdem zieht man sie durch.

Solange sich jemand nicht aus freiem Willen um seiner selbst coachen lässt, hat ein Coaching nur mäßige Aussichten auf Erfolg. Einigen Coachs ist das egal – mir nicht. Aus diesem Grund lehne ich jedes Angebot auf Coaching eines Klienten grundsätzlich ab, welcher sich nicht aus freien Stücken coachen lässt.

Und was wird jetzt aus dem Chef?

Gute Führungskräfte und Schulleitungen lassen regelmäßig einen Blick von außen zu. Sie lassen es gar nicht so weit kommen, dass man ihnen ein Coaching nahelegen möchte.

Zählt der eigene Chef nicht zu dieser Spezies, sollte man jegliche Optimierungswünsche à la „Sie könnten sich doch mal coachen lassen“ möglichst unterlassen und Kritik nur sachlich und konstruktiv äußern.