In einigen Bundesländern sind sie bereits angebrochen, in anderen werden sie so langsam mit Sehnsucht erwartet: die Sommerferien. Sechs Wochen lang keine Schule – für die Schüler die schönste Zeit des Jahres. Und für die Lehrer Auch. Und zwar absolut verdient. Auch wenn das nicht jeder hören will.

Denn in den Augen vieler „Nichtlehrer“ haben Lehrkräfte eindeutig zu lange Ferien: „Eine Unverschämtheit!“, sagen sie und vermuten, dass viele der ohnehin „faulen Säcke“ doch nur deswegen überhaupt den Beruf ergriffen haben.

Das ist zu einfach gedacht

Die Wahrheit ist vielmehr, dass die Sommerferien für die meisten Lehrerinnen und Lehrer die einzigen Ferien sind, in denen sie wirklich mal abschalten können. In allen anderen Ferien dominieren meist Korrekturen, Unterrichtsvorbereitungen bzw. Projekte oder ähnliches. Sich dabei mal emotional von den Sorgen, Nöten und Anliegen der Schülerinnen und Schüler zu lösen, ist während des Schuljahres schlicht und ergreifend nicht möglich – schließlich sind viele von uns auch per Mail erreichbar.

Deshalb soll sich auch keine Lehrkraft ihrer sechs Wochen Sommerferien jemals mehr schämen. Denn das verkennen die Unwissenden unseres Berufes: Ein Schuljahr ein für alle Mal komplett abzuschließen, braucht seine Zeit. Lehrer sind schließlich keine Gefühlsroboter, die man einfach so wie einen Akku mit einem Ladegerät mal schnell wieder auftanken bzw. neutralisieren kann.

Das muss jede Lehrkraft schon für sich selber tun. Und das gelingt nur, wenn man auch wirklich die Ruhe hat, die geleistete Beziehungsarbeit auch zu verarbeiten. Letztendlich gilt wahrscheinlich das Gleiche wie bei einem Muskel: Erst in der Entspannung wächst er.

Zeit für sich

Und so wachsen viele Lehrkräfte tatsächlich auch in den Ferien. Indem sie sich auf sich besinnen, können sie das, was sie im zurückliegenden Schuljahr alles erlebt haben, auch wirklich verarbeiten – eine Voraussetzung, um neue gute Beziehungsarbeit auch wieder im neuen Schuljahr zu leisten.

Darüber hinaus entwickeln sich viele Lehrerinnen und Lehrer in den Sommerferien auch weiter. Manche von ihnen arbeiten an ihren vorhandenen Fähigkeiten, andere erwerben neue, indem sie sich auf Neues einlassen und über den bisherigen Tellerrand hinausblicken. Nur so können sie Jahr für Jahr ihre Schülerinnen und Schüler für ihr Fach, für ihr Handwerk oder gar für ihre Persönlichkeit begeistern.

Nichts anderes fordert doch die Gesellschaft von ihren Lehrern. Dann muss sie ihnen diese Wachstumsphasen auch zugestehen.

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