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Das Schulessen – gesund und täglich frisch?

Dass Bürokratie manchmal seltsame Blüten treibt, ist allgemein bekannt. Wie seltsam manche allerdings wachsen, zeigt ein Fall aus Traunstein aus dem Jahr 2016. Dort wurde nach einer EU-weiten Ausschreibung das Essen für die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule jeden Tag aus 400 Kilometer Entfernung angeliefert. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war anscheinend die Kostenersparnis von 4 Cent pro Portion im Vergleich zum Angebot einer Köchin, die mit ihrem Catering-Service gerade mal 500 Meter von der Schule entfernt war.

Eine haarsträubende bürokratische Entscheidung! Für mich ist es unerklärlich, dass in Zeiten von Vernetzung, ständiger Erreichbarkeit, teambildenden Maßnahmen und Achtsamkeit, solche Entscheidungen in Ämtern und Behörden getroffen werden können, ohne dass irgendjemand diesen Unsinn bemerkt, geschweige denn aufhält. Das Bild, das wir mit dieser Entscheidung Kindern und Jugendlichen vom Essen vermitteln, ist fatal.

Du bist, was du isst

Das Mittagessen für 40 Schülerinnen und Schüler irgendwo in Deutschland kochen zu lassen, abzupacken und dann 400 Kilometer durch die Gegend zu kutschieren, gibt nicht nur in Zeiten des Klimawandels kein gutes Beispiel ab. Dabei geht es genau um unsere Vorbildfunktion und Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation. Denn wie und was Kinder heute und auch in Zukunft essen werden, schauen sie sich in erster Linie von uns Erwachsenen ab.

Zuhause sind die Eltern dafür verantwortlich. Sie haben eindeutig den größten Einfluss auf die Essgewohnheiten ihrer Sprösslinge. Legen Eltern Wert auf frische Zubereitung und regionale Produkte oder gar Zutaten aus eigener Erzeugung, stehen die Chancen gut, dass auch die Kinder früher oder später dieses Essverhalten übernehmen werden. Auch was die Umgangsformen und die Kunst der Unterhaltung am Tisch anbelangt, sind Eltern prägend. Man könnte es auch anders ausdrücken: Die Schule hat auf die Ernährungsgewohnheiten der Kinder kaum noch Einfluss, der Grundstein hierfür wird früher gelegt, noch bevor die Kinder in die Schule kommen. 

Schule und Ernährung

Was gesundes und gutes Essen ist, hat die DGE – die deutsche Gesellschaft für Ernährung – festgelegt. Sie hat Standards für gutes Essen aufgestellt. Demnach müssen täglich neben Gemüse, Salat und Getreideprodukten wöchentlich auch Obst und Milch bzw. Milchprodukte mehrmals den Kindern angeboten werden. Fleisch oder Wurst sollen die Schülerinnen und Schüler dagegen höchstens nur zweimal pro Woche erhalten, einmal in der Woche sollte Fisch angeboten werden. Bei Getränken rät die DGE zu ungeübten Tees und Wasser.

Diese Empfehlungen sollten in jeder Schule ihre Gültigkeit haben. Doch die Realität sieht anders aus. Statt frisch zubereiteter Speisen mit regionalen Produkten wird Industriekäse auf Pizzen und Ketchup zu gepresstem Hühnchen serviert. Kräuter aus dem eigenen Schulgarten? Fehlanzeige! Stattdessen geben Automaten zuckerhaltige Getränke und Süßigkeiten aus. Ein Trauerspiel.

An vielen Schulen sind die Schüler nicht mehr als nur Kunden der Mensa. Sie konsumieren – und das meist auch noch unter Zeitdruck und ohne wesentliche Tischmanieren zu beachten. Die meisten Lehrer sind verzweifelt, jedoch schon glücklich, wenn wenigstens das Smartphone während des Essens nicht neben dem Teller liegt.

Dabei könnte man die Schüler doch so einfach miteinbeziehen. Sie könnten so viel über ein relevantes Thema in ihrem Leben erfahren: über ihre Ernährung. Sie könnten im eigenen Schulgarten gärtnern und in der eigenen Schulküche kochen und dabei lernen, wie Käse hergestellt wird, wie man Fisch möglichst natürlich zubereitet und erkennen, dass Hühnchenfleisch weder rund noch eckig ist. Warum nutzt man an vielen Schulen dieses Potenzial nicht?

Die Erwachsenen sind und bleiben für das Essen in den Schulen in erster Linie verantwortlich. Deshalb sollten Lehrer und Eltern sich auch in diesem Punkt aufeinander zubewegen. Was ist beiden Seiten wichtig? Welche Gepflogenheiten in Punkto Ernährung wollen Sie den Kindern in der Schule und zuhause vermitteln.

Jedes sechste Kind ist übergewichtig

Wir haben doch schon genug Kinder, die übergewichtig sind, weil sie sich falsch ernähren, keine Ahnung von Nährstoffen und Vitaminen haben, sich viel zu wenig bewegen, viel zu wenig Wasser trinken und lieber Fast-Food essen, weil es angeblich so schön billig ist und lecker schmeckt.

Wäre es nicht wichtiger, dass unsere Kinder wissen, dass man an gutem Essen nicht sparen sollte? Und schon gar keine vier Cent. Das, liebe Bürokraten in ganz Deutschland, sollten euch auch und gerade Kinder schon noch wert sein…

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