Am kommenden Wochenende startet mit Nordrhein-Westfalen das erste Bundesland in die Sommerferien und auch in allen anderen Bundesländern neigt sich das Schuljahr so langsam dem Ende zu. Die noch verbleibende Zeit bis zum letzten Schultag bietet sich daher hervorragend an, um an den Schulen Bilanz zu ziehen. Was lief in diesem Jahr gut? Was schlecht? Und vor allem: Was bedeutet das für das kommende Schuljahr?

Zugegeben: Wer die Sommerferien vor der Nase hat, denkt ungern schon an die Zeit danach. Und doch lohnt sich diese Blick in die Zukunft: Denn wer sich jetzt bereits die Zeit nimmt, um die Weichen für das kommende Schuljahr richtig zu stellen, hat es nach den Sommerferien bedeutend leichter. Nur was muss man konkret dafür tun?

Eine lohnende Investition

Die Antwort ist simpel. Jede Schule entwickelt sich ständig weiter. Überall schießt Neues wie Pilze aus der Erde: Fachgruppen rufen neue Projekte ins Leben, Lehrkräfte verwirklichen originelle Ideen und Schulleitungen schließen neue Kooperationen mit externen Partnern ab.

Und doch ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn nicht jede Neuerung bewährt sich auf Anhieb. Zudem verblasst auch Altbewährtes im Schein des Neuen. Für die Schach-AG interessieren sich nur noch eine Handvoll Schüler, der Schulfunk bzw. das Schulradio bleibt schon das dritte Mal in Folge stumm. Die 8. Klassen schimpfen unisono über die Woche des darstellenden Spiels und jede Lehrkraft schüttelt nur noch den Kopf, wenn es darum geht, den Frankreich-Austausch zu organisieren und durchzuführen.

Werfen Sie Ballast ab!

Weshalb die Schulen also ständig wachsen, liegt daher, dass an vielen Schulen ständig Neues hinzukommt, ohne dass Altes weggeworfen wird. Weil sich niemand traut, das auszusortieren, was schon längst aussortiert gehört. Weil sich niemand dafür verantwortlich führt, das Schulprogramm bzw. das Schulprofil zu entrümpeln und den Mülleimer zu füllen.

Denn es gibt nun mal keine Garantie dafür, dass gute Ideen, spannende Projekte und lohnende Kooperationen auf ewig eine Bereicherung für eine Schule sind. Was gestern vielleicht noch gut funktionierte, kann sich heute bereits überlebt haben und morgen nichts mehr wert sein.

Haben Sie also keine Scheu! Entsorgen Sie, was die Schule belastet und füllen Sie den Mülleimer damit. Mit anderen Worten: Schmeißen Sie das, was nicht mehr funktioniert, aus Ihrer Schule raus.

Es muss ja kein Abschied für immer sein. Sie können die Schach-AG ja erst einmal für ein Schuljahr auf Eis legen oder die Sendungen des Schulfunks von zwölf auf sechs pro Schuljahr reduzieren. Oder Sie gehen eine Stufe weiter und streichen den Frankreich-Austausch komplett aus dem Fahrtenprogramm bzw. beenden die Woche des darstellenden Spiels ein für allemal.

Garbage in, Garbage out

Wichtig ist nur, dass Sie den Müll aus dem Organisationsgeflecht Ihrer Schule aussortieren. Denn befindet sich Müll im System, produziert das System auch Müll. Die Informatiker nennen dieses Prinzip GIGO: garbage in, garbage out. Und dass am Ende Müll herauskommt, kann nicht im Interesse der Schulleitung, der Lehrkräfte oder der Schüler sein. Müll wird Müll zur Folge haben – nämlich Zeitverschwendung mit Projekten und Programmen, die eigentlich nur noch praktiziert werden, weil sie immer schon praktiziert wurden.

Schlimmer noch: Was schlecht läuft, kostet nicht nur Zeit, sondern es demotiviert und deprimiert auch noch. Davon hat niemand etwas. Deshalb sollte jede Schule schon am Ende des Schuljahres kurz innehalten und sich auf das Wesentliche fokussieren – nämlich auf das, was gut läuft und im nächsten Schuljahr auch aller Voraussicht nach wieder gut laufen wird.

Jede Schulleitung und jedes Kollegium sollte sich daher am Ende des Schuljahres die Zeit nehmen und klare Prioritäten für das kommende Schuljahr setzen. Konzentriert sich eine Schule nämlich auf das, was gut läuft und was gerne an ihr gemacht wird, entwickelt sie ihre Stärken weiter und setzt auf Qualität statt auf Quantität.

Das zahlt sich aus.