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Gerade in den ersten Tagen eines neuen Schuljahres dreht sich in den Klassenzimmer alles um die Regeln. Viele Klassen erarbeiten mit ihren Lehrern gemeinsam sogenannte Klassenregeln, die auf einem Plakat festgehalten werden und verbindlich für das Schuljahr gelten sollen. Die aufgestellten Regeln erinnern dabei häufig an die des vorangegangenen Jahres und zielen primär auf die soziale Interaktion im Klassenzimmer und auf das Verhalten der Schüler im Unterricht ab.

Doch irgendwie hat dieses Regelgerüst einen Haken. Regeln wie „Ich helfe anderen bei Schwierigkeiten“, „Ich komme pünktlich zum Unterricht“ oder „Ich passe im Unterricht auf und beteilige mich“ lesen sich zwar recht einfach, können sich im Einzelfall jedoch recht komplex miteinander verzahnen, wie die folgenden zwei Fälle zeigen:

Beispiele

Eine Schülerin stürzt kurz vor Unterrichtsbeginn auf der Treppe und verstaucht sich den Fuß. Ein Schüler kommt ihr zur Hilfe, stützt sie und bringt sie ins Sekretariat. Er befolgt die Regel „Ich helfe anderen bei Schwierigkeiten“. Allerdings muss er die Regel „Ich komme pünktlich zum Unterricht“ brechen, da der Unterricht just in dem Moment beginnt, wo er mit der verletzten Schülerin im Sekretariat eintrifft. Sofern der Schüler eine verständnisvolle Lehrkraft hat, wird sein Zuspätkommen keine Konsequenzen haben. Wendet seine Lehrkraft die Regeln allerdings rigoros an, weil sie keine Ausnahmen duldet, wird der Schüler für das Befolgen einer anderen Regel bestraft.

Anderes Beispiel: Während des Mathematikunterrichts versteht eine Schülerin nur noch Bahnhof. Sie bitte ihre Banknachbarin um Unterstützung, ihr nochmal das zu erklären, was der Lehrer gerade an der Tafel erläutert hat. Die Banknachbarin erfüllt ihr den Wunsch und hilft ihr. Doch die Hilfsbereitschaft ist erneut dafür verantwortlich, dass sie die Regel „Ich passe im Unterricht auf und beteilige mich“ nicht befolgt. Auch hier zieht das Befolgen der einen Regeln das Brechen einer anderen mit sich.

Regeln durch Prinzipien ersetzen

Regeln verlangen in Einzelfällen oft nach Ausnahmen. Zudem geraten sie, je länger das Schuljahr dauert, immer stärker in Vergessenheit, auch wenn das Plakat für alle gut sichtbar im Klassenzimmer hängt. Und sie lassen eine wichtige Person völlig außer Acht – die Lehrkraft. Denn, was für die Schüler gilt, sollte auch für die Lehrerin oder den Lehrer gelten: „Ich helfe anderen bei Schwierigkeiten“, „Ich komme pünktlich in den Unterricht“.

Ersetzen Sie deshalb Regeln durch Prinzipien. Regeln können und müssen sogar manchmal gebrochen werden. Oder ihre Auslegung verändert sich je nach Situation. Das führt oft zu Orientierungslosigkeit. Legen Sie stattdessen Prinzipien fest, nach denen in der Klasse gehandelt und interagiert werden soll: Hilfsbereitschaft, Pünktlichkeit, Aufmerksamkeit, etc. Sie werden sehen: Prinzipien geben eine klare Richtung vor und ermöglichen viele Wege, um ans gewünschte Ziel zu gelangen.

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