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Paradoxe Schulverwaltung

Niemand wird leugnen, dass Schulen auch Behörden sind. Das beweisen allein die vielen Verwaltungsvorgänge, die täglich an jeder Schule ablaufen. Gäbe es die Schulbürokratie nicht, man müsste sie erfinden. Denn nur dank dieser Abläufe können Schulen ihre komplexen Aufgaben und Funktionen bewältigen.

Effizienz, Ruhe und Ordnung

Gelingt dies, kommt das allen zugute: der Schulleitung, den Lehrkräften, den Schülern sowie deren Eltern. Denn wer über eine effiziente Schulverwaltung verfügt, behält stets den Überblick und schafft Orientierung für die, die sich im System „Schule“ bewegen. Alles hat seine Ordnung, denn für jeden Vorgang gibt es einen geregelten Gang. Das verleiht Sicherheit und Ruhe. Man weiß, was wie zu erledigen ist. Denn genau das bedeutet Verwaltung.

Mit ihr kann man bestens planen. Wer mit seiner Klasse einen Ausflug beabsichtigt, weiß genauso Bescheid, welches Formular er auszufüllen hat – genauso wie derjenige, der den Eltern eines Schülers eine Mitteilung zukommen lassen will. Wie zu verfahren ist, wenn man eine Schülerin oder einen Schüler nachsitzen lässt, gehört wie Hunderte von anderen Abläufen irgendwann zum Repertoire jeder Lehrkraft. Selbst bei einem Schulwechsel bleiben die Verfahren meist dieselben. Weichen sie voneinander ab, passt sich der Lehrer an.
Was die Verwaltung alles für Schulen leisten kann, klingt zu schön, um wahr zu sein. Und ist es auch nicht. Denn wie wir über die Bürokratie im Allgemeinen schimpfen, so regen wir uns auch über die Verwaltung in der Schule auf: zu aufgebläht, nutzlos, ein Kontroll- und Machtinstrument übergeordneter Instanzen, mit Regeln voller Ausnahmen, unpersönlich und vor allem kraftraubend und zeitintensiv.

Chaos und Unsicherheit

Ja, Schulen sind eben nun mal auch Behörden. Und wie jedes Schreiben vom Finanzamt herrscht auch in den Schulbriefen häufig ein Tonfall, der sich irgendwo zwischen Hilfsbereitschaft und Drohung einpendelt, so dass wir uns wünschen würden, die Bürokratie wäre nie erfunden worden. Denn sie behindert die Schulen darin, ihre komplexen Aufgaben und Funktionen zu bewältigen.

Schulleitung, Lehrkräfte sowie Schüler und deren Eltern haben nämlich keinen Überblick und wissen nicht, woran sie sich orientieren sollen. Nichts ist geregelt, da jeder so verfährt, wie er es für richtig hält. Absprachen fehlen genauso wie Verbindlichkeiten. Es herrscht Chaos und Unsicherheit. Man weiß nicht, was zu tun ist, und fühlt sich im Sinne des Wortes Verwaltung regelrecht erledigt.

Planen ist nicht möglich. Wer seine Klasse nicht im Klassenzimmer antrifft, weiß von nichts. Wer den Eltern eine Mitteilung zukommen lässt, geht einem persönlichen Gespräch aus dem Weg. Einen Schüler nachsitzen zu lassen, zieht weitere Verwaltungsmaßnahmen mit sich. Wer führt die Aufsicht? Wie wird verfahren, wenn der Schüler nicht erscheint? Wie lange muss er nachsitzen? Was muss er in der Zeit erledigen? Wie regelt man das alles?

An jeder Schule scheinen die gleichen Verwaltungsabläufe zu herrschen, als habe jemand die Kopiertaste unendlich oft gedrückt. Kommen neue Lehrkräfte an die Schulen und finden die Maßnahmen ungewöhnlich, haben sie sich anzupassen.

Wie paradox ist das denn?

Verwaltung scheint Vor- und Nachteile zu haben. Und zwar zeitgleich. Was A nutzt, schadet B. Deshalb wird A darauf pochen, dass man die Maßnahme beibehält, und B, dass nachgebessert wird. Und was bedeutet das? Genau: Bürokratie wird nicht abgebaut, sondern ausgebaut. Deshalb wächst die Schulverwaltung seit Jahren, mit katastrophalen Folgen.

Je mehr Zeit und Energie eine Schule in ihre Verwaltung steckt, desto lahmer wird sie.

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