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Mit allen Sinnen lernen

Alle Jahre wieder: Die Natur erwacht und mit ihr auch der Mensch. Wie verwandelt entwickelt er plötzlich allerlei Aktionismus, stürzt sich ins Aufräumen und Putzen und empfindet obendrein auch noch allerhöchste Freude dabei, obwohl ihm diese Tätigkeiten sonst das ganze Jahr über verhasst sind.

Wenn es soweit ist, wissen wir: Kein Zweifel, der Frühling ist da. Erblüht die Natur, nimmt der Mensch das mit all seinen Sinnen wahr. Diese Reize werden ins Gehirn übertragen und lösen dort die berühmt berüchtigten Frühlingsgefühle aus. Ein recht simples Funktionsschema! Zu einfach, um wahr zu sein! Kann man das nicht auch für den Unterricht und das Lernen nutzen?

Lernen mit allen Sinnen

Das kann man, ja sollte man sogar. Denn nichts fördert den Lernerfolg mehr als das Lernen mit Emotionen. Und wenn man möglichst viele Sinne im Unterricht anspricht, kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn ein Unterricht, der über viele „Lernkanäle“ läuft, fördert nicht bloß die kognitive Aufmerksamkeit deiner Schülerinnen und Schüler, sondern schult auch ihre Intuition. Darüber hinaus hat ein derartiger Unterricht noch einen weiteren Vorteil: Auch die Kreativität der Kinder und Jugendlichen wird stimuliert.

Blickt man aber in die Klassenzimmer, läuft meist ein eintöniges Programm. Schülerinnen und Schüler, die in Bänken sitzen und der Lehrkraft zusehen und eventuell auch zuhören. Zweifellos wird in den Klassen meist nur Visuelles und Auditives geboten. Doch das Sprechen und Hören allein genügt nicht, um Gefühle herbeizurufen, die die Lerninhalte tief ins Gedächtnis transportieren. Der olfaktorische, haptische oder gustatorische Sinn wird vernachlässigt.

Drei ist doppelt so viel wie zwei!

Dabei wäre es so einfach: Lernt man mit drei statt mit zwei Sinnen, verdoppelt sich der Lernerfolg. Dank meines Chemielehrers der 10. Klasse weiß ich noch heute, dass Schwefelwasserstoff nach faulen Eiern riecht, bzw. genau durch chemische Verbindung (H²S) für den Geruch bei faulen Eiern verantwortlich ist.

Das Prinzip ist simpel und leuchtet ein: Ein Kind, das mit seiner Hand auf eine heiße Herdplatte fasst, lernt viel schneller, was seine Eltern mit der Warnung „Vorsicht heiß!“ meinen, als wenn sie ihm nur die Worte aufs Papier schreiben oder ihm die sehr hohe Temperatur nur erklären.

Liebe Lehrerinnen und Lehrer! Schauen Sie an einem der nächsten Schultage mal genauer hin. Wie viele Sinne sprechen Sie in Ihrem Unterricht an? Sollten es nur die zwei beliebtesten sein, versuchen Sie mal eine Unterrichtsstunde mit drei Sinnen zu gestalten. Und beobachten Sie Ihre Schüler dabei, wie sie aufblühen werden.

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„Lehren heißt, ein Feuer entfachen, und nicht, einen leeren Eimer füllen.“

Heraklit von Ephesos (um 520 – um 460 v.Chr.)