Immer wieder werde ich in meinem Seminaren oder nach meinen Vorträgen gefragt, was meiner Meinung nach eine gute Führungskraft ausmacht. Ich muss dann schmunzeln, denn über diese Frage könnte ich mittlerweile ein Buch schreiben. Hierauf kurz zu antworten, geht nicht. Und so spiele ich den Ball meist zurück, indem ich eine Gegenfrage stelle: „Was würden Sie sich denn von einer guten Führungskraft am meisten wünschen?“ Die Antwort ist meist die gleiche: „Dass sie sieht, was ich leiste.“

Leistung will gesehen werden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Großartiges leisten, wollen von ihrem Vorgesetzten gewürdigt werden. Das gilt auch in Schulen: Gute Lehrkräfte wollen, dass ihre Arbeit von den Schulleitungen gesehen wird. Doch das passiert offenbar nicht bzw. nicht in genügendem Ausmaß. Warum nur? Wollen die Chefs etwa nichts mit dem Alltag ihrer Untergebenen zu tun haben?

Ein falsches Führungsverständnis 

Diesen Eindruck kann man leicht gewinnen, wenn sich Vorgesetzte lieber den ganzen Tag in ihren Büros aufhalten, anstatt sich für das zu interessieren, was die Belegschaft tut.

Sicher, eine Führungskraft muss sich um ihren Aufgabenbereich kümmern. Aber das bedeutet nicht, das Unternehmen, die Firma bzw. die Schule nur aus dieser Sicht wahrzunehmen. Niemand würde sich von einem Bergführer auf einen Berg führen lassen, der seine Anweisungen von seinem Büro aus im Tal oder gleich vom Gipfel aus gibt. Führen bedeutet Leiten und vor allem auch Geleiten.

Führung bedeutet Geleiten 

Geleiten kann man aber nur, wenn man davor zu jemandem tritt. Aus der Ferne oder von einem Schreibtisch aus funktioniert das nicht. Man muss diejenigen, die man führt, auch sehen. Nur dann können Führungskräfte und Schulleitungen auch verstehen, was ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Tag für Tag leisten.

Wer sich als Führungskraft jedoch die meiste Zeit in seinem Büro verschanzt, wird nur schwer dazu in der Lage sein, richtig einzuschätzen, wer was im Unternehmen oder in der Schule tatsächlich leistet. Schnell lobt man da schon mal den Falschen oder hinterlässt beim Wertgeschätzten das Gefühl, dass das Lob des Chefs nicht ernst gemeint sein kann, weil er sich doch bisher nicht wirklich für die Arbeit interessiert hat. Kein Wunder also, dass viele Führungskräfte lieber darauf verzichten, Lob und Anerkennung auszusprechen.

Dabei wäre es doch so einfach: Vom Chefsessel aufstehen, die Bürotür aufmachen und rausgehen.

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