Welchen Ratgeber zum Thema Zeitmanagement man dieser Tage auch immer in die Hand nimmt, nahezu alle empfehlen, To-do-Listen zu verwenden. Sicher mag das ein probates Mittel sein, um seine Aufgaben zu überblicken und Stück für Stück abzuarbeiten. Mit To-do-Listen verzettelt man sich schließlich weniger und erreicht so seine Ziele schneller. Doch gilt das auch für Lehrerinnen und Lehrer?

Meines Erachtens: Nein. Vielen Lehrkräfte können To-do-Listen nämlich zum Verhängnis werden, weil man sie unendlich lang füllen könnte. Allein die Planung von ein paar Unterrichtstagen würde locker dazu führen, dass die Liste gleich mehr als ein Dutzend Spiegelstriche hätte.

Der Irrsinn trägt Liste

Ein Beispiel: Nehmen wir einmal an, eine Lehrkraft müsste in den nächsten zwei Tagen acht Stunden unterrichten. Allein diese Tatsache würde bereits acht abzuarbeitende Punkte auf die Liste zaubern. Damit aber noch nicht genug, schließlich müssen auch noch weitere Aufgaben erledigt werden. Dazu könnten gehören:

  • zu erledigende Korrekturen
  • das Kopieren von Arbeitsblättern für den Unterricht
  • die Durchsicht von Schulheften
  • das Ansprechen von Kollegen, die man für einen Unterrichtsgang als Begleitlehrkraft gewinnen will
  • das Führen von wichtigen Telefonaten mit Eltern
  • eine Unterredung mit der Schulleitung über einen auffällig gewordenen Schüler
  • diverse Verwaltungsmaßnahmen
  • etc.

Solch lange Listen (und hier ist das Privatleben noch ausgespart!) können einem schnell das Gefühl vermitteln, nicht vom Fleck zu kommen. Deshalb sollten Sie sie auch nicht länger benutzen. Selbst dann nicht, wenn es Ihnen bisher immer Spaß gemacht hat, die erledigten Aufgaben wegzustreichen. Denn auch das wird gerne als Argument in den Ratgeberbüchern angeführt, weswegen es sich lohne, To-do-Listen überhaupt zu führen.

A never ending story

Brauchen Sie das wirklich? Striche, um glücklich zu sein? Ich glaube nicht. Denn sonst würden Sie auch beim Korrigieren maßloses Glück empfinden. Ist es nicht eher so, dass Sie gerade dann, wenn Sie eine Aufgabe durchgestrichen haben, meist schon mindestens eine neue dazusetzen können? Denn schließlich kommen jeden Tag neue Aufgaben und Probleme hinzu. Obendrein zu allen anderen Punkten, die Sie noch nicht abgearbeitet haben…

Letztlich führen To-do-Listen im Lehrer-Beruf häufig zu frustrierenden Situationen. Sie takten unser Leben, vermitteln uns, dass wir immer etwas zu tun haben und lassen uns nicht wirklich zur Ruhe kommen.

Lassen Sie die Finger davon! 

Steigen Sie aus den To-do-Listen aus. Legen Sie einfach keine mehr an! Fragen Sie sich stattdessen lieber, was das Wichtigste ist, das Sie an diesem Tag erledigen müssen. Und dann erledigen Sie es. Sollten es mehrere Dinge sein, dann fokussieren Sie sich maximal auf zwei bis drei Aufgaben. Mehr nicht.

Sollten mehrere Aufgaben wichtig sein, setzen Sie lieber klare Prioritäten. Finden Sie heraus, was Ihre Big Points sind, die Sie an dem Tag erzielen müssen. Welche Brocken müssen Sie unbedingt aus dem Weg räumen? Welche Asse unbedingt schlagen?

Solange diese keine Big Points sind, ignorieren Sie sie einfach und guten Gewissens. Lassen Sie sie warten. Es sei denn, ihre Erledigung dauert weniger als fünf Minuten. Ist dies der Fall, erledigen Sie sie einfach sofort. Nichts, was weniger als fünf Minuten dauert, ist es wert, dass Sie es einen oder gleich mehrere Tage mit sich herumtragen.

Schon gar nicht auf einer unendlich langen To-do-Liste.

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