Wann haben Sie eigentlich die besten Ideen? Im Büro? Während eines wichtigen Meetings? In einer langweiligen Konferenz? Im Beisein Ihres gesamten Kollegiums? Wohl eher nicht. Und in der Tat: Die besten Ideen und genialsten Einfälle haben wir selten in der Situation, in der wir sie so gut gebrauchen könnten.

Das Ganze erinnert fast schon an den peinlichen Moment, in dem wir aus heiterem Himmel einem Bekannten von früher über den Weg laufen und uns sein Name partout nicht mehr einfallen will. Wir graben und graben in unserer Erinnerung und obschon wir das Gefühl haben, dass er uns auf der Zunge liegt, bringen wir ihn einfach nicht über die Lippen.

Gut Ding will Weile haben

Verabschieden wir uns dann jedoch von ihm und aus der Situation, dauert es in der Regel nicht allzu lange, bis uns ein Licht aufgeht. Wie vom Blitz getroffen, schlagen wir uns plötzlich mit der flachen Hand auf die Stirn und rufen laut aus: „Ernst Siegfried!“

Das Beispiel mit dem vergessenen Namen führt uns platisch vor Augen: Gute Gedanken brauchen nun mal ihre Zeit. Und gute Ideen erst recht. Denn auch hier dauert es meistens eine ganze Weile, bis es uns wie von Geisterhand durchzuckt und wir eine passende Lösung zum Problem präsentieren können.

Mehr noch: Die besten Ideen kommen uns gerade dann in denn Sinn, wenn wir allein sind und wenn wir es am wenigsten vermuten. Sie können nun mal nicht erzwungen werden. Denn Kreativität auf Knopfdruck gibt es nicht.

Selbstverständlich kann uns auch mal eine pfiffige Idee in einem Meeting oder in einer Konferenz einfallen, wenn sie gerade am dringendsten gebraucht wird, aber in der Regel ist dies eher selten der Fall.

Kreativität braucht Leerlauf

Die meisten Gedankenblitze treffen uns nämlich erst, wenn wir das Problem vom bewussten ins unbewusste Denken verschoben haben. Das passiert u.a., wenn wir uns wieder anderen Dingen zuwenden. Interessanterweise eignen sich Routinen und Gewohnheiten hierzu besonders. Scheinbar brauchen wir eine bestimmte Form der Beschäftigung, welche unsere Aufmerksamkeit einerseits zwar fordert, andererseits jedoch schon relativ automatisch abläuft.

In diesen Momenten schaltet unser Gehirn nämlich in eine Art Automodus. Obwohl es beansprucht wird, kann es sich aufgrund der schon bekannten Tätigkeit entspannen. Und diese Entspannung ebnet der Kreativität den Weg.

In meinen Kreativitätstrainings und -seminaren frage ich, neugierig wie ich nun mal bin, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gerne nach den Orten, an den sie ein Gedankenblitz trifft. Manche Antworten wie unter der Dusche, während des Autofahrens, beim Joggen (oder beim Sport allgemein) sowie im Bett kurz vor dem Einschlafen höre ich dabei so gut wie jedes Mal. Andere Orte werden nur ab und zu, jedoch auch immer wieder genannt: mitten in der Nacht, beim Lesen, im Bad, während dem Zähneputzen, beim Langweilen, beim Kochen, im Stau, im Sessellift, usw.

Bei nahezu allen kreativen Orten, die genannt werden, fällt auf, dass die Tätigkeiten meist allein erlebt werden und dass es sich dabei um Routineaufgaben oder wiederkehrende Beschäftigungen handelt, die jede auf ihre Art Entspannung erzeugen. Genau die Atmosphäre also, in der sich ein Geistesblitz entladen kann.

Kein Blitz ist von Dauer

Das Problem ist nur: Viele Ideen blitzen wirklich nur ganz kurz auf. Kaum hat sich seine Energie durch die Synapsen gebahnt, verflüchtigt sich der Geistesblitz meist auch schon wieder. Hält man ihn nicht fest, ist die Idee schon nach wenigen Augenblicken wieder verschwunden.

Aus diesem Grund ist es ratsam, das Haus niemals ohne gedanklichen „Blitzableiter“ zu verlassen. Am besten eignet sich hierzu ein handelsübliches Notizbuch sowie ein immer gespitzter Bleistift.

Für Meetings, Büro und Konferenzen bedeutet dies, dass man die Phase der Ideenfindung nicht schon im ersten Meeting abschließen sollte. Sollten pfiffige Ideen und geniale Einfälle dringend gebraucht werden, ist es auf jeden Fall sinnvoll, die Gedankenjagd zunächst einmal feierlich zu öffnen und nach guten Ideen (im Team) zu suchen. Dann sollte jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer nach Hause gehen und schauen, ob sie oder er dort nicht noch vom Blitz getroffen wird.

Man kann ja nie wissen.

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