Eine gute Idee zu haben, ist das eine – sie irgendwann auch verwirklichen zu dürfen, ist das andere. Warum das so ist, liegt in jenem Prozess begründet, der zwischen der Ideenfindung und der Ideenumsetzung liegt: die Ideenbewertung.

Hier sterben die meisten der neuen Vorschläge bzw. Konzepte. Nicht, weil sie grundsätzlich schlecht durchdacht oder präsentiert worden sind, sondern weil sie in den meisten Fällen schlicht und ergreifend der Kritik vonseiten der Führungskräfte, der Mitarbeiter und Kollegen irgendwann nichts mehr entgegenzusetzen haben.

Dass dies so kommt, liegt häufig nicht am innovativen Gedanken selbst, sondern am Verfahren, das bei der Bewertung zum Einsatz kommt. In vielen Unternehmen, Betrieben und Schulen werden Ideen nämlich immer noch als Bedrohung betrachtet, gegen die man das bewährte System möglichst lange schützen muss.

Innovation als Bedrohung

Und so müssen sich Quer- und Andersdenker für ihre Ideen und die daraus für die Organisation abgeleiteten Konzepte erst einmal rechtfertigen. Diese Art der Ideenbewertung ist in vielen Unternehmen, Betrieben und auch an vielen Schulen immer noch Standard. Jemand hat einen Vorschlag und bevor dieser umgesetzt wird, muss er auf Herz und Nieren geprüft werden.

Also wird das Neue präsentiert und anschließend in einer Art Feedbackrunde bewertet. Nur handelt es sich in diesem Fall gar nicht um eine Feedbackrunde, sondern um eine lapidare Gegenüberstellung. Die Kritik der Feedbackgeber muss gekontert und möglichst vollständig aus dem Weg geräumt werden. Dann und erst dann steht einer Umsetzung nichts im Wege.

Im Großen und Ganzen erklärt dies, warum so viele Ideen sang- und klanglos wieder in der Versenkung verschwinden. Was dabei übersehen wird, ist die Chance, eine Idee, die (noch) nicht perfekt ist, gemeinsam weiterzuentwickeln. Denn diese Art von progressiver Kreativität sieht das Verfahren der Verteidigung nun einmal nicht vor.

Ideen kann man auch anders bewerten

Dabei wäre es so einfach, den Prozess konstruktiver, kreativer und offener zu gestalten. Alles, was man tun müsste, wäre, eine echte Feedbackrunde zu veranstalten. Doch wie könnte das aussehen?

Zum Beispiel so: Stellen Sie einfach eine Diskussionsrunde zusammen. Achten Sie darauf, dass die Gruppe nicht zu groß wird. Wählen Sie am besten fünf oder maximal sechs Leute aus, die über die neue Idee oder das neue Konzept offen und ehrlich diskutieren sollen. Verdeutlichen Sie ihnen, dass es nicht darum geht, den Vorschlag nur zu zerreißen. Die Gruppe soll gleichzeitig auch Lösungsansätze geben oder mögliche Alternativen aufzeigen. Legen Sie gemeinsam eine Zeitspanne für die Debatte fest, die nicht überschritten werden darf (z.B. 10 oder 15 Minuten) .

Setzen Sie diejenigen, deren Idee oder Verbesserungsvorschlag diskutiert wird, mit dem Rücken zu dieser Gesprächsrunde, so dass sie dem Gespräch folgen können, ohne sich auf die Kritiker selbst konzentrieren zu müssen. Sorgen Sie dafür, dass diese Leute nicht in die Diskussion eingreifen. Sie sollen sich voll und ganz auf das Zuhören konzentrieren, um so neue Gedanken und Aspekte zu erhalten und über ihre Idee noch einmal in Ruhe reflektieren zu können.

Alle weiteren Anwesenden sollten dem Gespräch wie ganz normale Zuschauer beiwohnen, jedoch nicht aktiv daran teilnehmen. Nach Ablauf der Debatte oder der Zeit, sollten Sie den Feedbackempfängern die Gelegenheit einräumen, sich untereinander zu besprechen und ihre Eindrücke und Gedanken neu zu ordnen. Vielleicht hat die Diskussion ihnen selbst die Schwächen ihrer Idee vor Augen geführt oder neue Einblicke verschafft.

Lassen Sie sie dann zur Debatte Stellung nehmen. Meist liegt spätestens jetzt ein klare Bewertung der Idee von allen Seiten in der Luft. Besprechen Sie zum Schluss mit allen das Ergebnis. Wie soll weiterverfahren werden?

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