Sind Schulen Unternehmen? In den meisten Fällen – klammert man Privatschulen aus – wohl eher nicht. Auf jeden Fall nicht im herkömmlichen Sinne. Und doch besitzt fast jede Schule mittlerweile Verfahren, die sich nicht nur in der freien Wirtschaft, sondern auch in Behörden und sonstigen Verwaltungsorganisationen bewährt haben: verbindliche Standards, interne und externe Evaluationen, Qualitätsmanagement, Best Practice.

Gerade die letztgenannten Modelle erfreuen sich derzeit bei den Schulentwicklern einer noch nie dagewesenen Beliebtheit. Diese Entwicklung ist nachvollziehbar – schließlich war es noch nie so einfach, sich über die erfolgreichen Konzepte anderer Schule via Internet zu informieren oder sich mit den verantwortlichen Lehrkräften dieser Erfolgsrezepte über Facebook, Twitter und Co. zu vernetzen.

Die Zeiten, in denen man für die Entwicklung der eigenen Schule mehrere hundert Seiten dicke Bücher studiert, wenn nicht gar exzerpiert hat, sind wahrscheinlich vorbei. Heute muss alles schneller gehen, deshalb herrscht auch in der Schulentwicklung „Learning by doing“ gemäß dem Motto: Was sich an einer anderen Schule bewährt und zu einem Erfolg geführt hat, klappt auch an unserer Schule und kann nur ein Erfolg werden.

Das kann, muss aber nicht stimmen

So einfach ist Schulentwicklung dann doch nicht. Denn nur weil man das macht, was andere gemacht haben, bedeutet das noch lange nicht, dass man auch den Erfolg haben wird, den die anderen haben.

Wer das denkt, übersieht ein kleines, aber nicht unerhebliches Detail. Die meisten Schulen, die mit einem Konzept bzw. Modell Erfolg haben, haben etwas Neues ausprobiert oder bereits bewährte Dinge neu kombiniert.

Das gilt z. B. auch für die Preisträger-Schulen des Deutschen Schulpreises, der seit 2006 jährlich von der Robert Bosch Stiftung zusammen mit der Heidehof Stiftung und zwei Medienpartnern verliehen wird. Auch die Preisträger-Schule 2017, die Elisabeth-Selbert-Schule in Hameln, konnte die Jury deswegen überzeugen. Viele kleine „Mosaiksteine“ machen die Berufsschule zu einer besonderen, ja gar einzigartigen Schule in der Region Hameln-Pyrmont. Sich dieses Konzept einfach überzustülpen, würde keinen Sinn ergeben.

Jede Schule muss sich selbst entwickeln

Jede Schule ist einzigartig, jede Schule ist anders. Und deshalb ist der Glaube an vorgefertigte Lösungen, die man einfach nur mal so übernehmen muss, ein Irrglaube. Selten ist dieses simple Vorgehen von Erfolg gekrönt. Natürlich können und sollten Schulleiterinnen bzw. Schulleiter oder Schulentwicklungsteams an Hospitationsprogrammen wie dem der Deutschen Schulakademie teilnehmen, um sich Preisträger-Schulen wie die Elisabeth-Selbert-Schule in Hameln näher anzuschauen. Die eigene Schulentwicklung ersetzt eine Besichtigung allerdings noch lange nicht. Auch wenn die hospitierte Schule viel Inspiration bieten kann, die eigentliche Arbeit beginnt meist erst mit den Ideen, die man an die eigene Schule mit zurückbringt.

Aus meiner langjährigen Erfahrung als Qualitätsmanager an mehreren Schulen weiß ich, dass selbst das beste Schulentwicklungsprogramm scheitern kann. Es genügt bei weitem nicht, einfach nur ein Modell oder Konzept, das sich an anderen Schulen bewährt hat, an der eigenen Schule zu implementieren. Denn niemand garantiert, dass das Lernhaus-Konzept der Anne-Frank-Realschule aus München oder das Modell der „Unterrichtspartituren“ der Gesamtschule Barmen den Bedürfnissen der eigenen Schule gerecht wird, geschweige überhaupt von den Schüler und den Lehrkräften getragen wird.

Jede Schule muss sich daher selbst entwickeln. Von innen heraus. Das ist, wenn man so will, Best Practice.