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Innovation braucht Anerkennung

In diesem Punkt sind sich Fachzeitschriften, Business-Ratgeber und Karriere-Blogs einig: Querdenker sind derzeit gefragt wie noch nie. Viele Unternehmen suchen händeringend nach couragierten Individuen, die selbstbestimmt agieren, das Selbstverständliche hinterfragen und keine Scheu davon haben, konventionelle Erfolgsmuster zu attackieren. Sie wollen mutige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit sehr guten Ideen haben, die gewohnten Denkgrenzen verschieben, eingefahrene Gleise verlassen und Neues vorantreiben, so dass sich das Unternehmen verbessern kann und fit für die Zukunft wird.

Diese mutigen Veränderer zu finden ist das eine, sie zu behalten das andere. Denn ihr Mut wird oftmals nicht belohnt – und das, obwohl sie sehr wohl mit ihrem Engagement einen Mehrwert für die Organisation erbringen. Ganz egal, ob sie sich eine neue Marketingkampagne ausdenken, die Makel eines Produktes beseitigen, das Geschäftsmodell mit neuen Dienstleistungen erweitern, Bürokratie abbauen, Prozesse umstrukturieren oder neue Projekte initiieren, ihre Tatkraft wird bagatellisiert.

Warum Unternehmen häufig die Falschen befördern 

In vielen Unternehmen, Behörden und Schulen werden neue Ideen häufig nur zur Kenntnis genommen, so als gehörten sie wie selbstverständlich zum Tagesgeschäft. Getreu dem Motto „Nicht geschimpft, ist gelobt genug“ applaudieren Führungskräfte und Schulleitungen selten, wenn eine gute Idee vorgetragen und dann umgesetzt wird.

Oft verhält es sich sogar so, dass die neuen Ideen irgendwann als Ideen der Führungskräfte ausgegeben werden. Dass geniale Vorschläge von einfachen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern kommen, passt nämlich nicht ins Führungsverständnis von manchem Chef. Und so erhalten die eigentlichen Innovatoren selten die Wertschätzung und Anerkennung, die ihnen gebührt. Dabei verdient nicht nur die alltägliche Leistung der Menschen in Unternehmen, Behörden und Schulen Anerkennung. Erst recht braucht auch Innovation Anerkennung.

Doch das passiert nicht. Wer den gesamten Betrieb mit seinen Ideen nach vorne gebracht hat, wird nicht belohnt. Und schon gar nicht befördert. In vielen meiner Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Lehrerinnen und Lehrern höre ich die Verletzungen deutlich heraus. Man hat Geniales für das Unternehmen, die Behörde oder die Schule geleistet. Befördert worden sind jedoch andere.

Innovation braucht Anerkennung 

Meist werden nämlich genau jene befördert, die nichts Extraordinäres geleistet haben. Oder sogar noch schlimmer: Die Ja-Sager und Abnicker ziehen an den Innovatoren vorbei und in das höhere Management ein. Selbst jene, die ständig nur rumnörgeln und jede Neuerung kritisieren, aber selbst keine neuen Ideen einbringen, erreichen die Führungsetage schneller als so mancher Querdenker mit provokativer Kompetenz. 

Für sie fühlt sich dieses Übergehen an wie ein Schlag ins Gesicht. Viele von ihnen ziehen sich daraufhin zurück, machen nur noch Dienst nach Vorschrift. Und halten auch ihre Ideen zurück. Statt den Laden weiter nach vorne zu bringen, kündigen sie – zunächst innerlich und irgendwann dann wirklich.

Für viele Führungskräfte kommt die Kündigung dann wie aus heiterem Himmel. „Wie – Sie wollen gehen? Warum denn? Sie haben dem Unternehmen doch so viel gegeben.“

„Ja“, wird sich so mancher Querdenker dann denken, „aber bekommen habe ich nichts dafür.“ Wer immer nur gibt und nichts bekommt, dem fehlt irgendwann die Motivation. Die Motivation, die Dinge jeden Tag wieder aus einer anderen Perspektive zu beleuchten, Experimente zu wagen, Widerstände auszuhalten und wieder von vorn zu beginnen, bis man eine neue Einsicht aufspürt und den nächsten genialen Vorschlag machen kann. 

Haltung haben, Größe zeigen

Doch so läuft es nicht. Schon gar nicht mit Individuen, welche die Dinge ständig anders betrachten. Auch sie wollen für ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg anerkannt werden. Wer die Probleme der anderen löst, ohne etwas dafür zurückzubekommen, fühlt sich nicht wertgeschätzt. Das ist nun mal so. Genau aus diesem Grund brennen auch so viele Lehrer und Schulleiter irgendwann aus.

Dabei wäre es so einfach, diesen Menschen die ihnen gebührende Anerkennung zukommen zu lassen. Sie zu befördern, wäre das eine. Doch das können viele Führungskräfte schlichtweg nicht. Sie scheuen sich, sich mit klugen Köpfen zu umgeben. Weil sie Angst davor haben, selbst nicht mehr zu strahlen. Weil sie die Menschen, die von unschätzbarem Wert für die ganze Belegschaft sind, lieber klein halten. Oder weil sie keinen Posten für sie haben. Das wäre in der Tat ein Argument. Allerdings könnten sie den Innovatoren in diesem Fall wenigstens einen Preis verleihen, um ihrer Innovationskraft Respekt, Hochachtung und Anerkennung zu zollen. Doch nicht einmal dazu sind sie in der Lage. 

Menschen mit Größe zeigen auch Größe. Menschen ohne Größe sorgen dafür, dass auch ja kein anderer groß wird. So ist das nun mal. 

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