Lehrerkonferenz, letzter Punkt. Verschiedenes. Auch wenn das Ende nah ist, höre ich nur noch halbherzig hin. Irgendetwas in mir verweigert sich den Informationen, die unter Diverses rangieren und am Schluss meist schnell, aber doch umfangreich in die Runde gestreut werden.

Ja, ich gebe zu: Mein Verhalten ist in diesem Punkt nicht gerade kollegial, eher sogar unhöflich. Schließlich haben wir alle als Kinder schon gelernt, dass man zuhören soll, wenn andere reden. Das verlangen wir ja schließlich auch von unseren Schülerinnen und Schülern. Da ist sie wieder – die Vorbildfunktion, auf ich in einigen Blogartikeln schon hingewiesen habe. Erwischt!

Warum wir alles wissen wollen

Informationen sind ja per se nichts Schlechtes, im Gegenteil: Sie geben uns Orientierung und das Gefühl, nichts zu verpassen. Wenn vom soundsovielten bis zum soundsovielten die Studienfahrt der 12. Jahrgangsstufe stattfindet, kann man sich ab sofort darauf einstellen, dass Schülerinnen und Schüler während diesem Zeitraum abwesend sein werden und eventuell Unterricht ausfällt. Informationen vergrößern also unser Wissen und liefern Gesprächsstoff. Stellen Sie sich mal vor, ein Kollege würde vorschlagen, dem Lehrerzimmer am nächsten Wochenende auf Kosten aller Kolleginnen und Kollegen einen neuen Anstrich zu verpassen. Da würde sicherlich eine rege Diskussion einsetzen – und das nicht nur über die Wahl der geeigneten Farbe.

Wir leiden am Zuviel

Und trotzdem lehne ich viele Informationen bewusst ab. Denn die Schule steht der Welt in diesem Punkt in nichts nach: Ständig werden wir mit Informationen bombardiert – vor allem im Lehrerzimmer. Egal wann und in welcher Ecke man sich dort aufhältt, stets drängen sich einem Informationen auf – quasi im Sekundentakt. Die einen warten nur darauf, dass sie uns vom Schwarzen Brett in die Augen springen können, die anderen kommen uns einfach zu Ohren, selbst wenn sie nicht mal primär für unseren  Ohren bestimmt waren.

Dieser Informationsüberflutung können wir uns nur schwer entziehen. Doch völlig ergeben müssen wir uns ihr auch nicht. Denn wir sind immer noch der Filter. Wir sollten deswegen stets entscheiden, welche Informationen wir annehmen und welche wir bewusst ablehnen bzw. nicht zur Kenntnis nehmen.

Wenn eine Kollegin mir eine wichtige Beobachtung mitteilt, die sie gerade in der Klasse gemacht hat, in der ich jetzt Unterricht habe, ist die Information für mich wertvoll. Sie vergrößert mein Wissen. Kommt die gleiche Kollegin aber und bittet mich, der Klasse auszurichten, dass ihr Unterricht nächste Woche wahrscheinlich ausfallen wird, ignoriere ich diese Information, denn sie besitzt für mich weder Qualität noch Relevanz. Wieso muss ausgerechnet ich das der Klasse mitteilen? Warum macht sie es nicht selber? Und selbst wenn die Klasse diese Information nie erhält: Wäre das tragisch? Warum die Pferde unnötig scheu machen

Qualität und Relevanz

Informationen sollen Qualität und Relevanz haben. Fehlt eines dieser Merkmale, ist die Information irreführend oder gar unbrauchbar. Vor einiger Zeit saß ich in der U-Bahn im gleichen Waggon mit einer Grundschulklasse. Schon drei Stationen vor dem Aussteigen meinte die Lehrerin: „So Kinder, wir steigen gleich aus!“ Wie von der Tarantel gestochen, sprangen alle Schülerinnen und Schüler auf und liefen zur Tür. Im Waggon herrschte ein heilloses Durcheinander. Die Lehrerin hatte keine Chance mehr, die Kinder wieder auf die Sitzbänke zu bringen. Der Zeitpunkt ihrer Information war falsch gewählt – das Aussteigen war noch gar nicht relevant.

Und genau das sind auch die Gründe, weswegen ich beim Punkt Verschiedenes in Lehrerkonferenzen mittlerweile mehr weg als hinhöre. Weil die meisten Informationen, die dort noch vermittelt werden, weder wichtig noch relevant sind. Nüchtern betrachtet ist dieser Punkt das Sammelbecken für Informationen, die die Schulleitung nicht einmal selbst als relevant erachtet hat, sonst wären sie in die Tagesordnung mit aufgenommen worden. Sind sie aber nicht.

Würden Sie unter dem Punkt Verschiedenes informieren wollen? Ich nicht. Dieser Punkt gehört gestrichen. Ein für allemal. Eine Tagesordnung sollte im wahrsten Sinne des Wortes auch ihre Ordnung haben.

Vorbildfunktion

Ach ja – da war noch was: Natürlich sollten Sie für Ihre Schülerinnen und Schüler ein Vorbild sein. Geben Sie ihnen deshalb nur Informationen, die Qualität und Relevanz haben. Zeigen Sie ihnen auch, dass man gewisse Informationen auch bewusst ablehnen darf. Und freuen Sie sich, wenn sie zwischen guten bzw. relevanten und schlechten bzw. irrelevanten Informationen unterscheiden können.

Genau das sollen wir Lehrkräfte ihnen nämlich beibringen.