• Impulse für Schule & Unterricht

Feb22

Relativitätstheorie

Von der Kunst, heute noch eine klare Meinung zu haben

Unsere Zeit ist schnelllebig geworden. Das kann man schon allein daran erkennen, dass viele unserer Politiker nicht mehr zu dem stehen, was sie einen Tag zuvor noch gesagt haben. Denn was gestern noch galt, kann heute natürlich auch ganz anders verstanden werden, vor allem dann wenn man "falsch zitiert" oder das Gesagte "komplett aus dem Zusammenhang" gerissen worden ist. Unsere Politikprominenz dreht sich mit ihren Meinungen wie Fahnen im Wind. Doch ist dieses Phänomen nicht auch im Lehrerzimmer zu finden?

Natürlich gibt es auch unter uns Lehrern eine ganze Menge Menschen, die keine klare Meinung mehr vertreten und sich scheinbar an den vielen Politikern ein Beispiel genommen haben. Was sie gestern noch gesagt haben, gilt heute nicht mehr. Und bei heiklen Angelegenheiten lassen sie sich ebenfalls ein Hintertürchen offen, um notfalls die Position noch einmal zu flugs zu korrigieren.

Lehrer vom Typ „alles relativ“

Zu dieser Kategorie gehören z. B. all die Lehrkräfte, die im Unterricht respektlos mit ihren Schülern umgehen, ihnen Sanktionen androhen, die sie jedoch sogleich zurückziehen, sobald die Eltern auf der Matte stehen oder die Schulleitung hellhörig wird. Lehrer, die nicht hinter dem stehen, was sie sagen.

Solche Lehrer sind wahre Künstler des Relativierens und nehmen grundsätzlich immer die Meinung an, von der sie glauben, dass sie für sie selbst am günstigsten ist. Eigene klare Meinungen meiden sie deswegen meist, es sei denn, sie fällen sie in einem emotionalen Moment. Doch kaum hat sich die Gefühlslage wieder beruhigt oder steigt Gegenwind auf, relativieren sie, wo sie nur können.

Das macht sie zu wahren Meistern der Anpassung. Sie reden den anderen nach dem Mund und übernehmen deren Ansichten, auch wenn sie eigentlich komplett anderer Meinung sind. Denn relativieren kann man immer noch. Hauptsache, die Schulleitung sieht, dass ich ihre Meinung grundsätzlich teile.

Ein Trugbild. Denn wenn diese Kolleginnen und Kollegen eines ganz sicher nicht haben, dann ist es eine eigene Meinung. Sie sind Mitläufer, denn sie wissen weder, was sie wollen, noch, was sie nicht wollen. Sie kennen nämlich ihre eigenen Werte nicht. Und ertragen es noch viel weniger, wenn andere Kollegen ihre Werte und Positionen wie selbstverständlich nach außen kommunizieren und auch noch danach handeln.

Woran erkennt man solche Lehrer?

Mitläufer und Relativierer erkennt man vor allem daran, dass sie ständig nach einem Kompromiss im Kollegium oder in der Klasse suchen, den alle mittragen können, ohne sich bewusst zu sein, dass es einen solchen gar nicht gibt. Man kann es eben nicht jedem Recht machen. Und das ist auch gut so.

Doch diese Kolleginnen und Kollegen haben enorme Probleme, mit definitiven Aussagen umzugehen. Das erkennt man allein schon an ihren Lieblingsworten „eigentlich“ und „ja aber“. Schüler, die mit mehreren Fünfern im Jahreszeugnis nicht versetzt werden, kann man nun mal eben nicht mit einem „Ja, aber eigentlich ist er ein netter Junge“ noch durchwinken.

Oft sind solche Kolleginnen und Kollegen wahre Diven. Sie führen Dramen auf, obwohl an der Faktenlage nichts zu beschönigen ist. Wer in der Klassenarbeit spickt, muss nun mal die Konsequenzen tragen. Da kann man eben nicht ein Auge zudrücken, weil die Schülerin eigentlich im Unterricht immer alles gewusst hat.

Mit Ecken und Kanten!

Stehen Sie als Lehrer zu Ihren Werten. Auch das ist ein Beitrag zum Erhalt Ihrer Lehrergesundheit. Sagen Sie das, was Sie denken, und denken sie das, was sie sagen. Und sagen Sie es deutlich und entschlossen. Wie Franz Müntefering 2008 – mit heißem Herzen und klarer Kante: „Opposition ist Mist.“ Eine klare Position verlangt eben auch nach einer klaren Sprache, an der es nichts zu interpretieren gibt und an deren Ende auch kein Fragezeichen steht.

Achten Sie mal darauf, wie viele Menschen tagein, tagaus ihre Meinung äußern und sie im gleichen Atemzug auch schon wieder schwächen.

Wer klar sagt, was er denkt, kennt seine Werte und ist authentisch.

Nicht nur in der Politik...

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.