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Mär01

Tankstellen des Alltags

Von Energiespendern und Energieräubern

Manche Menschen, mit denen ich tagtäglich zusammenarbeite, sind wahre Energiespender. Sobald ich sie sehe, versetzen sie mich in eine positive Grundstimmung, die mich beflügelt und inspiriert. Und das erreichen sie allein durch ihre Gegenwart, während andere Menschen mich selbst mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen nicht begeistern können. Woher kommt das? Warum verstehen wir uns mit den einen Kolleginnen bzw. Kollegen besser und mit den anderen schlechter?

Weil nicht jede Beziehung qualitativ gleich hochwertig ist. Sicher – auch Gegensätze ziehen sich an. Aber eine Beziehung, die ausschließlich von Gegensätzen geprägt wird, verliert früher oder später an Wert.

Ein ständiges Geben und Nehmen

Wahre, qualitativ hochwertige Beziehungen (egal ob zwischen zwei Arbeitskollegen, Familienmitgliedern oder Lebenspartnern) sind selten oberflächlich. Stattdessen müssen sie ausgebaut und regelmäßig gepflegt werden. Denn nur wer sich gegenseitig vertraut, kann im wahrsten Sinne des Wortes zu einem (Energie-)Partner werden. Doch Vertrauen allein reicht noch lange nicht aus. Gute Beziehungen basieren nämlich auch auf gegenseitiger Wertschätzung und Anerkennung, z. B. in Form eines Lobes. Wer uns spüren lässt, dass er uns achtet und dass wir sein Ansehen genießen, gewinnt unsere Zuneigung. Und Zuneigung schafft automatisch Nähe.

Damit nicht genug. Menschen, über die wir uns freuen, wenn wir sie sehen, liegt darüber hinaus auch etwas an unserer persönlichen Entwicklung. Sie erlauben sich und uns gegenseitiges Wachstum, indem sie uns - bewusst oder unbewusst - bei unserer Entfaltung helfen und unterstützen. Sie wissen halt ganz genau, dass wir anders sind als sie. Und genau das gefällt ihnen.

Licht und Schatten

Solche Menschen sind wahre Energiespender, die uns unheimlich viel Kraft schenken können. Doch genauso gibt es Kolleginnen und Kollegen, Schüler, Freunde und Familienmitglieder, mit denen wir nicht so gerne zusammen sind, da sie uns Energie rauben, weil wir sie vorwiegend als anstrengend erleben. Menschen, über die wir uns freuen, wenn sie wieder gehen oder erst gar nicht auftauchen. Regelrechte „Psychovampire“ – einen Begriff, den der deutsch-iranische Psychotherapeut Hamid Peseschkian geprägt hat.

Oft genügt es nämlich, nur an solche Menschen zu denken oder bloß ihren Namen zu hören, um sich schlecht zu fühlen. Und zwar zurecht! Denn diese Menschen spielen oft nur vor, Vertrauen in uns zu haben. In Wahrheit haben sie es nicht. Sie schätzen uns auch nicht, dass wir so sind, wie wir sind, sondern wollen uns vor allem zu dem machen, wie sie sind. Vertritt man unterschiedliche Positionen oder ist nicht mit ihnen einer Meinung, unternehmen sie alles Menschenmögliche, um uns auf ihren Kurs zu bringen.

Auch kennen sie in erster Linie nur sich. Ein Lob oder ein positives Feedback zu uns kommt ihnen selten über die Lippen. Und wenn, war es meist nur Mittel zu irgendeinem Zweck. Mit solchen Menschen verbindet man nicht viel, was sich schon allein dadurch äußert, dass man die Nähe zu ihnen als unangenehm empfindet. Man wächst nicht in ihrer Gegenwart und hat im Gegenzug auch keine Lust, dass sie sich an einem selbst weiterentwickeln. Sie kennen nur sich und, wenn sie etwas geben, erwarten sie in 9 von 10 Fällen sogleich eine Gegenleistung. 

Sicher, es gilt der Grundsatz, dass zu einer Beziehung immer zwei gehören und dass man auch selbst an der Qualität einer Beziehung beteiligt ist. Und trotzdem sind solche Beziehungen meist nicht mehr zu retten, da es viel zu viel Energie kosten würde, die Beziehung wertvoller zu gestalten, zumal sie nicht wissen, ob der andere eine solche Wertsteigerung überhaupt wünscht.

Energie investieren oder sich selber schützen?

Deshalb sollten Sie sich solche Beziehungen wirklich gut überlegen. Denn Sie können negative Auswirkungen auf Ihr eigenes Wohlbefinden - sprich Lehrergesundheit - haben.

Ich wette, dass Sie bestimmt ein paar Menschen kennen, die Ihnen mehr Energie rauben als spenden. Allein das Wissen darum kann manchmal schon ein Segen sein. Ist es aber mehr ein Fluch, sollten Sie sich gut überlegen, wie Sie in Zukunft mit diesen Menschen umgehen wollen.

Entweder Sie halten die Beziehung aufrecht oder Sie kappen die Verbindung. Sollten Sie sich für die erste Variante entscheiden, würde ich Ihnen dennoch wärmstens eine Reduzierung des Umgangs mit diesen Menschen ans Herz legen, sodass Sie mit ihnen nur noch das Nötigste reden und klare Grenzen ziehen, wann Sie das Gespräch beenden. Apropos Grenzen: Diese sind natürlich auch für den zweiten Weg unerlässlich.

Und die Energiespender? - Behandeln Sie diese wie Schätze. Denn sie sind wahres Gold wert. 

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