Mär24

Die Kraft des Spaziergangs

10 Minuten für mehr Gelassenheit im (Schul-)Alltag

So manch´ Spaziergang hat einen schon ins Leben zurückgeholt. Bekanntestes Beispiel: Goethes Faust. Eben noch dem Selbstmord nahe, spaziert der Doktor am Ostersonntag mit seinem Famulus Wagner aus der Stadt hinaus vor das Tor und beobachtet die Reaktion seiner Mitmenschen auf das Erwachen der Natur.

Sie enttäuschen ihn nicht. Beseelt vom lang herbeiersehnten Ende des Winters wirken die Menschen vom Zauber der Natur selbst wie verzaubert. Und auch Faust ist von ihrer Reaktion ergriffen und fühlt sich am Tage der Auferstehung des Herrn wie selbst auferstanden.

Der Frühling als Energiespender

Sprießende Knospen und zwitschernde Vögel – der Frühling hat in der Tat eine belebende Wirkung, der man sich auch heutzutage nur schwer entziehen kann. Das alljährliche Erwachen der Natur wirkt wie ein Zauber, der den Menschen wahrlich Energie verleiht: die sogenannten Frühlingsgefühle.

Und diese scheinen individuell unterschiedlich zu wirken. Während jene nach langen Wochen des dunklen Winters zu entspannter Ruhe und Gelassenheit finden, verspüren andere den Drang in sich, es der Natur gleich zu tun und sich zu erneuern. Doch unabhängig davon, zu welchem Typ Sie gehören, sollten Sie jetzt hauptsächlich eins machen: Gehen Sie raus!

Machen Sie einen Spaziergang!

Schlendern Sie durch die Stadt oder durch die Natur. Und zwar nicht nur jetzt, sondern wann immer Sie können. Gerade uns Kopfmenschen stehen Spaziergänge jederzeit gut zu Gesicht. Wir sitzen nämlich zu viel. Viel zu viel, um ehrlich zu sein: am Lehrerpult, im Lehrerzimmer oder zuhause vor dem Schreibtisch. Ab und zu wieder ein bisschen Bewegung schadet da bestimmt nicht.

Im Gegenteil. Spaziergänge weiten die Sinne. Wer schon mal einen Spaziergang mit Kindern oder gar einer ganzen Schulklasse unternommen hat, weiß, wovon ich rede. Denn Kinder begreifen das Spazierengehen nicht als Funktion. Sie sehen – ganz im Gegenteil zur Spielkonsole – selten einen praktischen Nutzen darin, weswegen es Eltern und Erwachsene oft viel Kraft und etliche Überredungskünste kostet, sie dazu zu bewegen.

Doch einmal losgelaufen, kommen Kinder aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sie sehen und hören Dinge, die ihnen im Alltag nicht auffallen, wie das Klopfen eines Spechtes oder das Plätschern eines Baches. Und sie kommen auf die tollsten Ideen. Ein Ritterkampf mit zwei Stöcken, ein Stück Baumrinde als Fähre für Käfer und Ameisen.

Gelassenheit und Glücksgefühle

Wer spazieren geht, sieht die Welt mit anderen Augen. Und wird glücklich dabei. Ein Spaziergang verschafft Glücksgefühle und innere Ruhe. Und fördert langfristig Kreativität und Produktivität. Neue Ideen kommen uns in den Sinn, Lösungen zu Problemen, über die wir uns bisher den Kopf zermartert haben, fallen uns wie aus dem Nichts ein.

Warum das so ist? Weil unsere Schritte, Gedanken und Gefühle offensichtlich miteinander in Verbindung stehen. Bewegen wir die einen, bewegen sich die anderen. Deshalb: Gehen Sie wieder öfters spazieren. Und das nicht nur an Ostern! Schnappen Sie sich hin und wieder Ihren Partner/Ihre Partnerin und die Kinder und gehen Sie an die frische Luft. Es muss ja nicht gleich ein kilometerlanger Marsch sein. 10 bis 15 Minuten reichen völlig.

So spazieren auch Sie durch die Woche!

Übrigens: Nirgends steht geschrieben, dass Spaziergänge immer nur am Wochenende oder in den Ferien stattfinden müssen. Ein Spaziergang lässt sich gut auch in die Schulwoche integrieren.

Statt die Pausen immer im Lehrerzimmer abzufeiern, könnten Sie doch einen Spaziergang machen. Einfach mal 10 Minuten lang um den Block gehen. Eine Wohltat, die auch jede Korrektur auflockert.

Oder machen Sie doch mal in einer Freistunde einen Spaziergang über die Korridore Ihrer Schule und nehmen Sie das bunte Gewimmel hinter den Klassenzimmertüren wahr. Oder Sie gehen im Unterricht mit Ihren Schüler*innen einfach mal für ein paar Minuten an die frische Luft.

Das belebt. Nicht nur Faust.

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