Jan14

Ein Segen für jede Schule

Warum sich Schulleiter diese Chance nicht entgehen lassen sollten

Kommt eine neue Lehrkraft an die Schule, kümmern sich in der Regel viele Kollegen darum, dass sie sich möglichst schnell an ihrer neuen Wirkungsstätte wohlfühlt. Sie machen sie mit den wichtigsten Dingen vertraut, zeigen ihr, wo sie was findet, und beantworten jede ihre Fragen – das alles, ohne eine einzige Gegenleistung von ihr zu verlangen. Doch das ist ein Fehler.

Ein neuer Lehrer kann nämlich mehr sein als nur ein Kollege für seine neue Schule. Er ist eine Chance – sozusagen eine einmalige Gelegenheit. Er kann nämlich aufdecken, welche Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit an der Schule klaffen. Die, die jeden Tag in ihr arbeiten, könnten das vielleicht auch, machen es aber meist nicht.

Reine Gewohnheit

Die meisten Lehrer haben sich nämlich längst an die Zustände gewöhnt, die in ihrer Schule herrschen. Ihnen sind die Routinen, Abläufe, Rituale oder Vorgänge bestens bekannt, sie beherrschen sie aus dem Effeff. Diese Verhaltensweise ist durchaus verständlich, schließlich verleihen uns Routinen, Abläufe und Co. eine gewisse Sicherheit in unserer alltäglichen Arbeit.

Bei manchen Vorgängen und Verhaltensweisen mag dies durchaus sinnvoll sein. Bei anderen hingegen nicht. Sie schaden uns und, obwohl sie uns schaden, behalten wir sie bei oder verteidigen sie gar mit Vehemenz.

Das haben wir schon immer so gemacht!

Warum wir das machen? Weil wir Angst haben. Angst vor Veränderung. Wir wollen keine Veränderungen und haben wir doch mal an unserer Schule ein Haar in der Suppe gefunden, wollen wir ebenfalls keine Veränderung. Denn der Aufwand, das Problem aufs Tablett zu bringen, kostet Zeit und Energie. Und diese wollen wir nicht aufbringen. Weil wir diese Zeit und Energie nicht haben. Oder weil wir uns nicht trauen. Weil wir wieder Angst haben. Angst, mit unserer Meinung allein dazustehen. Deshalb kehren wir das Problem lieber schön wieder unter den Teppich und ordnen unsere Meinung unter. Wird schon nicht so schlimm sein.

Mit dieser Einstellung ändert sich in der Tat nichts. Das ist ärgerlich - vor allem für die Schulleiter.

Was Schulleiter tun können

Am besten schon vor dem Dienstantritt der neuen Kollegen. Denn nie ist die Gelegenheit günstiger, um sie für neue Entwicklungen wie z. B. Unterrichtshospitationen in der Schule zu gewinnen.

Lehrkräfte, die neu an eine Schule kommen, sind meistens auch offen für Neues. Weil sie den Laden noch nicht kennen. Und auch diese Chance sollten sich die Schulleiter nicht entgehen lassen und die neuen Kollegen nach ein paar Tagen oder spätestens nach einer Woche um ihre ersten Eindrücke bitten.

Was läuft gut, was schlecht?

Wie kein anderer kann nämlich der neue Lehrer schon nach kurzer Zeit sagen, welche Abläufe und Vorgänge ihm bekannt vorkommen, was gut funktioniert und auf welche Schwierigkeiten er schon gestoßen ist. Vor allem bei der Antwort auf die Frage nach den Dingen, die ihm gewöhnungsbedürftig vorkommen, sollten Schulleiter genau hinhören, denn oftmals verstecken sich hinter diesen Aussagen wertvolle Verbesserungsvorschläge.

Was nicht bedeutet, dass die Schulleitung gleich wie die Feuerwehr losstürmen und Optimierungsprozesse in Gang setzten sollte. Auch hier ist Ruhe die Mutter der Porzellankiste. Lieber man hakt nach einer gewissen Zeit (etwa nach 1 bis 2 Monaten) noch mal beim neuen Kollegen nach. Natürlich kann man das auch noch nach einem weiteren halben Jahr machen.

Hauptsache, man lässt diese wichtige Ressource nicht unberücksichtigt.

Denn nichts ist so sicher wie der Wandel. Auch wenn man ihn gar nicht mitkriegt.

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.