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Gutes Lernen,

schlechtes Lernen

Effektives Lernen erfolgt auf individuellen Wegen. Und doch gibt es ein paar Aspekte, die Lernende dabei berücksichtigen sollten. Aus diesem Grund habe ich 10 Punkte zusammengetragen, die ich mit gutem Lernen in Verbindung bringe. Es sind dies auch die Punkte, die ich als Lehrer meinen Schülerinnen und Schülern stets mit auf den Weg gegeben habe.

1. Gutes Lernen folgt einem Plan

Gutes Lernen will gut durchdacht sein. Deshalb sollte man seine Lernprozesse auch langfristig planen. Schon meine eigenen Lehrer haben das immer wieder betont. Man solle sich über mehrere Tage auf eine Prüfung vorbereiten und nicht erst am Vortag damit anfangen.

Sicherlich mag es auch Menschen geben, die in der Lage sind, den ganzen Lernstoff innerhalb eines Tages zu pauken. Zeit, das Gelernte zu vertiefen, zu wiederholen oder einzuüben, haben sie jedoch nicht. Das ist schlecht, denn gerade das steigert den Lernerfolg nachhaltig.

Stellt man sich den Lernstoff zudem wie eine große Salami vor, kann diese einem schon etwas schwer im Magen liegen, wenn man sie in einem Stück verputzen muss. Wer sie hingegen in viele kleine Häppchen zerteilt und diese nacheinander zu sich nimmt, lernt langfristig gesehen deutlich effektiver.

Neben dem Inhalt behält man mit einem Lernplan zudem auch die Zeit im Blick. Man kann Lernzeiten definieren und diese wie in einem Stundenplan fixieren. Wann lerne ich was? Und wie lange soll eine Lerneinheit dauern?

2. Gut umgeben ist halb gelernt

Ich erinnere mich noch ganz gut an ein kleines gelbes Heftchen, das mir in der 7. Klasse ausgehändigt wurde. Es thematisierte die Methodik des Lernens. Viele kleine Zeichnungen waren darin. Und auf einer sah man einen mit Papier, Büchern, Hörspielkassetten und Bonbonpapier übersäten Schreibtisch, an dem ein Kind seine Hausaufgaben machte.

Damals haben wir alle herzhaft über diese Zeichnung gelacht. Denn genau so sah bei vielen meiner Freunde und mir der Schreibtisch auch tatsächlich aus. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Heute herrscht an meinem Schreibtisch mehr als Ordnung. Er ist nämlich meistens leer. Nicht einmal ein Stift oder ein Notizblock liegt darauf. Während ich arbeite und z.B. diesen Blogartikel schreibe, möchte ich nicht gestört oder abgelenkt werden. Musik, andere Gegenstände, eine To-do-Liste oder Papierstapel würden meine Gedanken nur abschweifen lassen.

Auch beim Lernen ist es wichtig, dass wir fokussiert und konzentriert sind. In vielen Haushalten ist das jedoch nicht möglich. Da müssen Kinder ihre Hausaufgaben am Küchentisch erledigen oder am Esstisch für eine Klassenarbeit lernen, während ihre Geschwister toben oder der Fernseher läuft.

Genauso schwer stelle ich es mir vor, während einer Zugfahrt in einem ICE zu lernen. Noch dabei, wenn man alle paar Minuten von seinem Smartphone unterbrochen wird.

Gutes Lernen passiert in einem guten Lernumfeld. Und das ist meist störungsfrei. Deshalb sollte man seinen Schreibtisch aufräumen, das Handy ausschalten und dafür sorgen, dass nicht alle paar Minuten jemand ins Zimmer platzt.

3. Gutes Lernen fängt auch gut an

Der beste Plan und die beste Lernumgebung nützen allerdings nichts, wenn man nicht in die Gänge kommt. Viele Schülerinnen und Schüler mögen das Lernen nicht, weil sie nicht wissen, womit sie anfangen sollen.

Wie sollen sie es auch, wenn sich selbst die Lehrer widersprechen! Die einen behaupten nämlich, dass man mit der schwersten Aufgabe anfangen sollte – ganz im Sinne einer Taktik, die als „Eat-the-frog“ bezeichnet wird. Wenn der Kopf noch frisch und unverbraucht ist, gelingt einem die anspruchsvolle Aufgabe am besten.

Nur sehen das nicht alle Pädagogen so. Manche sind der Meinung, man solle mit den leichteren Aufgaben anfangen, damit der Kopf erst einem warm werden kann. Ist er dann auf Betriebstemperatur, geht einem auch die anspruchsvollere Aufgabe leicht von der Hand.

Womit man letztendlich anfängt, ist in meinen Augen egal. Hauptsache, man fängt an. Einen Frosch kann man schließlich nur dann essen, wenn man Appetit auf ihn hat. Ob das nun am Anfang sein muss oder nicht, ist egal. Am besten nimmt man sich seiner an, wenn man bereit für ihn ist.

4. Gutes Lernen passiert aktiv

Es ist paradox: Obwohl wir lernen, nehmen viele von uns das Lernen selbst als passiven Vorgang wahr. Verantwortlich dafür sind die Informationen, die wir lernen müssen. Sie sind nämlich meistens schon vorhanden, liegen vor uns, stehen im Lehrbuch. Jemand anders hat sie für uns schon herausgesucht, aufbereitet und angerichtet. Wir müssen sie nur noch aufnehmen und in unserem Langzeitgedächtnis speichern.

Das ist einfacher gesagt als getan. Erst recht, wenn wir uns beim Lernen nicht im Denken bewegen und starr bleiben. Anders ausgedrückt: Je aktiver der Lernvorgang von uns gestaltet wird, desto leichter speichern wir den Lernstoff ab.

So bringt es z.B. nichts, einen Text nur mit einem Textmarker zu verzieren, so wie der junge Mann im ICE neben mir. Statt den Text auszumalen, hätte er sich aktiv mit ihm auseinandersetzen müssen. Das macht man allerdings erst, wenn man Fragen an ihn stellt, gerne auch paradoxe Fragen und dann eigenständig nach ihren Antworten sucht.

Auch ist es sehr hilfreich, dem Text und seinem Autor nicht alles zu glauben. Wer den Lernstoff kritisch hinterfragt, tut sich leichter, wichtige Informationen zu merken. Zudem schult er sein Urteilsvermögen.

Noch hilfreicher ist eine Transformation des Gelernten, z.B. in ein Schaubild. Wer digitale oder analoge Skizzen oder Sketches zum Lernstoff erstellt, ist nicht nur kreativ, sondern verankert die Informationen auch tiefer im Gedächtnis. Dagegen ist das bloße Abschreiben oder Abtippen von Lernpassagen oft nur eine reine Beschäftigungsmaßnahme.

5. Gutes Lernen erfolgt aus eigenen Gedanken

Genauso wichtig wie das Bearbeiten der Informationen sind die Informationen selbst. Diese sollten möglichst aus erster Hand stammen. Doch das tun sie immer seltener. Viele Schülerinnen und Schüler lesen z.B. im Literaturunterricht keine Originaltexte mehr. Stattdessen holen sie sich gleich die Interpretationshilfen oder lesen den dazugehörigen Artikel bei Wikipedia.

Statt das Werk eigens zu verstehen und die Zusammenhänge aktiv zu ergründen, vertrauen sie einer fremden Leistung. Wer ein gutes Lernergebnis erzielen will, setzt nicht (ausschließlich) auf sekundäre Lernquellen.

Darüber hinaus kann man seinen Lernerfolg deutlich steigern, indem man versucht, mit möglichst vielen Sinnen zu lernen. Die meisten Schülerinnen und Schüler sowie Studenten lernen mit zwei Sinnen. Sie schauen sich etwas an und/oder hören jemandem bei seinen Ausführungen zu. Zieht man einen weiteren „Lernkanal“ wie z.B. die Haptik dazu, kann man die Effektivität des Lernens deutlich steigern.

6. Gutes Lernen kommt vom Wiederholen

In der Tat ist das regelmäßige Wiederholen das A und O eines jeden Lernprozesses. Nur wer regelmäßig wiederholt, seine Vokabeln aufsagt oder seine Formel auch anwendet, lernt nachhaltig und effektiv.

Im Grunde hat das auch der Student aus dem ICE gewusst, der mit Karteikarten gelernt hat. Diese eignen sich nämlich für das Wiederholen in besonderer Weise. Man kann die Lösung eines Problems oder das richtige Wort zu einer Vokabel gut verdecken und seinen Lernfortschritt zudem rasch überprüfen. Natürlich gibt es mittlerweile auch schon eine Fülle von digitalen Lernhilfen, die sich genauso gut wie Karteikarten zum Lernen eignen.

7. Gutes Lernen ist kein einsamer Akt

Lernen ist für viele Schülerinnen und Schüler eine sehr einsame Tätigkeit. Dabei haben sie heute so viele Möglichkeiten, miteinander zu lernen – mehr, als ich zu meiner Schulzeit je hatte. Und doch haben ein paar Klassenkameraden und ich immer wieder miteinander gelernt.

Vor allem haben wir uns selbst gegenseitig geprüft. Immer wieder hat jemand einen Test oder eine Klassenarbeit entworfen und sie den anderen vorgelegt. Die mussten dann ihr Wissen und Können unter Beweis stellen. Warum macht das heute keiner mehr? Nicht einmal die zwei Studenten im Zug sind auf die Idee gekommen, sich gegenseitig abzufragen bzw. zu testen.

8. Gutes Lernen enthält einen Rollenwechsel

Gutes Lernen passiert dann, wenn der Schüler zum Lehrer wird. Auch das hätten die zwei Studenten aus dem ICE machen können – wenngleich der ICE als Lernort dazu eher ungeeignet ist. Doch nichts spricht dagegen, sich in einer ruhigen Lernumgebung den Stoff nochmals gegenseitig zu erklären.

Im Grunde muss man nicht einmal zu zweit sein, um zum Lehrer zu werden. Ich erinnere mich noch gut, dass ich den Lernstoff für mein schriftliches Physikabitur vor einem erdachten Publikum aufgesagt und mit lauter Stimme erklärt habe. Mein Kleiderschrank, der die ganzen Erklärungen brav über sich ergehen lassen musste, tut mir heute noch dafür leid.

Doch der Lerneffekt war enorm. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. So kann man sich z.B. auch vorstellen, das Gelernte seiner kleinen Schwester oder seinem kleinen Bruder zu erklären. Spannend wird dieser Gedanke allerdings erst dann, wenn die kleinen Konstrukte unserer Fantasie behaupten, sie hätten nichts verstanden. Hm, wie erklärt man es ihnen wohl beim zweiten Mal?

9. Gutes Lernen erwächst aus Fehlern

Auch wenn wir noch so fleißig lernen, sind wir vor Misserfolgen oder Fehlern nicht gewappnet. So erging es auch mir. In Mathe hatte ich meist ganz passable Noten. Dennoch erwischte es mich in einer Klassenarbeit im Abiturjahr eiskalt. Obschon ich alle Aufgaben bearbeitet hatte, hatte ich eine glatte 6. Meine Mathelehrer spuckte Gift und Galle. So etwas war ihm in einem Mathe-Leistungskurs noch nie untergekommen.

Ich konnte mir diesen Rückschlag nicht erklären. Was hatte ich falsch gelernt? Ich kopierte mir die Arbeit und versuchte es herauszufinden. Tagelang ging ich Aufgabe für Aufgabe durch. Jede rot unterstrichene Stelle sah ich mir an. Ich wollte nicht nur verstehen, was ich falsch gemacht hatte, sondern vor allem auch verstehen, warum ich diese Fehler gemacht hatte.

Mittlerweile dürfte sich ja schon herumgesprochen haben, dass man aus Fehlern lernen kann – wenn nicht sogar lernen muss. Denn wer nicht aus einem Fehler lernt, macht ihn womöglich noch einmal. Doch dazu muss man erst einmal verstehen, warum man den Fehler gemacht hat. Erst dann kann man aus ihm lernen. Nur zu wissen, dass man einen Fehler gemacht hat, ist noch kein wirklicher Lernfortschritt. Man muss der Ursache für den Fehler auf den Grund gehen. Genau das macht gutes Lernen aus.

10. Gutes Lernen braucht Pausen und Entspannung

Man kann nicht ständig und zu jeder Zeit lernen. Gutes Lernen braucht auch Pausen und Entspannung. Selbst Belohnungen sind wichtig.

Wie lange man konzentriert und fokussiert lernen kann, hängt von einem selber ab. Allerdings ist es ratsam, eher kleinere als längere Lerneinheiten zu absolvieren. Die Pomodoro-Technik, die in Zeitmanagement-Seminaren immer wieder gerne vorgestellt wird, eignet sich auch gut für Lernprozesse.

So rät diese Technik z.B. dazu, nach ca. 25 Minuten eine Pause von 5 Minuten zu machen. Anschließend wird dann wieder weitergearbeitet bzw. -gelernt. Das Ganze wird drei – oder viermal wiederholt. So kommt man auf eine Länge von etwa 90 bis 120 Minuten. Nach dieser Zeit sollte unbedingt eine größere Pause von 30 Minuten erfolgen.

Soweit zu den Pausen. Viel wichtiger ist jedoch wahre Entspannung. Damit das Gelernte sich im Oberstübchen verfestigen kann, müssen wir ihm auch die Gelegenheit dazu einräumen. Das passiert am besten, indem wir uns entspannen. Sport und Bewegung eignen sich hierzu genauso wie ein paar andere Tätigkeiten. Hauptsache derjenige, der ihr nachgeht, entspannt dabei.

Auch Belohnungen sollten nicht zu kurz kommen. Wer zwei oder gar vier Stunden an einem Tag richtig viel gelernt hat, sollte sich ruhig dafür belohnen dürfen. Mit einem guten Essen, einem Schläfchen, einem Eis in der Sonne. Auch hier ist erlaubt, was gefällt.

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