Post vom Amt. Doch was will die Behörde? Statt klar zu formulieren, was vom Empfänger erwartet wird, finden sich im Schreiben nur lange verschachtelte Sätze. Zusätzlich verschleiern Nominalisierungen und Passiv-Konstruktionen die wahre Absicht des Briefes. Behördendeutsch at its best: hölzern, unverständlich, intransparent.

Doch auch viele Elternbriefe und Benachrichtigungen von Schulen lesen sich nicht anders. Auch sie sind häufig vollgespickt mit Substantiven und nominalisierten Verben. Statt „Ist Ihr Kind krank, rufen Sie bitte im Sekretariat an“ lesen wir Anweisungen wie „Bei Krankheit der Schülerin oder des Schülers ist das Sekretariat unverzüglich davon in Kenntnis zu setzen!“ Selten findet man Wünsche wie „Wir bitten Sie um eine Spende, damit sich der Sanitätsdienst auch im nächsten Jahr um kranke oder verletzte Schüler sorgen kann.“ Stattdessen lesen wir unpersönliche Aufforderungen wie „Um großzügige Spenden für die Aufrechterhaltung des Sanitätsdienstes wird gebeten.“ Klar, dass sich da die Lust zu geben in Grenzen hält.

Von der Schule oder für die Eltern?

Schulen sollten immer wieder mal ihren Kommunikationsstil mit den Eltern überprüfen. Kommunizieren sie überhaupt aus der Sicht der Eltern oder blickt bei der Formulierung der Anschreiben in erster Linie die Perspektive der Schule durch? Sind diese Briefe verständlich formuliert oder fallen sie in die Kategorie „Beamtendeutsch“?

Von Zeit zu Zeit die Kommunikation nach außen zu hinterfragen, kann sich für Schulen durchaus lohnen. Gerade dann, wenn man Eltern aktivieren möchte, wie z.B. für Spenden, den Elternabend oder die Mitarbeit in Arbeitskreisen. Was nach einer Revolution klingt, ist in Wirklichkeit wenig Arbeit und Aufwand. Manchmal reicht in der Tat schon eine klitzekleine Veränderung aus, um die Dinge signifikant zu verändern.

Ein Beispiel aus Großbritannien 

Dort entschlossen sich die Finanzämter 2009 zu einer kleinen und unscheinbaren Veränderung in der Zahlungsaufforderung für Steuerzahler. Statt wie bisher auf die Konsequenzen einer nicht rechtzeitig eingereichten Steuererklärung hinzuweisen, fügte man dem Schreiben eine neue Information hinzu – nämlich wie viele Briten ihre Steuern jährlich rechtzeitig zahlen würden. Die Wirkung war enorm: Binnen eines Jahres konnte der britische Staat 86% der möglichen Steuereinnahmen verbuchen. Zuvor waren es nur 57% gewesen. Wie ist das zu erklären?

Die Lösung heißt Schwarmverhalten. Das Verhalten der Menschen orientiert sich vorrangig am Verhalten ihres Umfeldes – also jenen Menschen, mit denen sie sich identifizieren. Das wirkt. Glauben Sie es nicht?
Probieren Sie es doch einfach selber aus. Überreden Sie zwei bis drei Kollegen dazu, sich mit Ihnen ans Fenster im Lehrerzimmer zu stellen und hinauszublicken. Heben Sie gelegentlich den Zeigefinger und deuten Sie auf etwas. Es wird keine Minute vergehen und Sie werden Gesellschaft bekommen. Denn was Sie tun und wie Sie handeln, färbt auf andere Menschen aus Ihrem Umfeld ab. Schließlich empfehlen wir unseren Freunden und Kollegen auch unsere Kinofilme, Lieblingsrestaurants und Urlaubsorte.
Auch Eltern tun am liebsten das, was andere Eltern tun. Denn schließlich bekommen sie dadurch das Gefühl, eine gute Entscheidung getroffen zu haben.

Wie man einen Elternbrief gestalten sollte 

Die Schule sollte ihre Schreiben aus Elternsicht formulieren. Sollen die Eltern zusätzlich aktiviert werden, sollte die Schule Angaben darüber machen, wie viele Eltern das gewünschte Verhalten in der Vergangenheit schon gezeigt haben.

Wer also von Eltern Spenden möchte, könnte z.B. die Zahl der Spender und die Summe aus dem vergangenen Jahr nennen; wer die Mitarbeit von Eltern in Arbeitskreisen wünscht, könnte angeben, wie viele Eltern sich aktiv im letzten Jahr in Arbeitskreisen engagiert haben. Alles Weitere wird das Schwarmverhalten schon regeln, solange die Informationen aufrichtig sind. Kann man keine konkreten Zahlen nennen, sollte man auch keine erfinden, sondern nur das wünschenswerte Verhalten herausstellen.

Denn wer lügt, betrügt und verliert letztlich. Vor allem seine Glaubwürdigkeit.

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