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Ein Nachruf auf den Wandertag

27 Augenpaare schauen mich ungläubig an: „Wie jetzt wandern? Doch nicht etwa am Wandertag? Und dann noch zu Fuß? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein!“ – „Doch und zwar mein voller Ernst!“, entgegne ich. „Selbstverständlich werden wir wandern. Durch die Natur, egal bei welchem Wetter. Mit Rucksack und Brotzeit. Ganz klassisch!“- Kollektives Stöhnen.

Diese Ansage musste meine Klasse in einem der vergangenen Schuljahre erst einmal verdauen. Denn solche Wandertage sind für heutige Schülerinnen und Schüler von gestern, wenn nicht sogar von vorgestern. Nur Senioren mit Schlapphüten und grauen Trekkinghosen wandern. Aber doch keine „digital natives“. Total uncool.

Der Wandertag als Blockbuster

Fällt Ihnen das nicht auch auf? Kindern und Jugendlichen wird heute kaum noch etwas abverlangt. Sich mehrere Stunden am Stück gemächlich durch die Landschaft zu bewegen und dabei zu unterhalten, stellt für sie keine wirkliche Option dar – es sei denn am Ende des ja nicht allzu anstrengenden Fußmarsches lockt ein lohnendes Ziel.

So hat in den vergangenen Jahren an deutschen Schulen eine Entwicklung eingesetzt, die ich als „Eventisierung des Wandertages“ bezeichnen würde. Im Vordergrund müssen Spaß und Erholung stehen: Bowling, Hochseilgarten, Paintball oder wenigstens Freizeitpark.
Dabei scheinen mir selbst diese Ziele schon nur zweite Wahl zu sein. Ließe man die Schülerinnen und Schüler frei entscheiden, so würden die meisten Mädchen dafür plädieren, in irgendwelche Einkaufszentren zu fahren. Dabei würde sich ihnen die Mehrheit der Jungen wahrscheinlich glatt anschließen, denn ein konkreteres Ziel haben sie meist auch nicht. Hauptsache chillen und mit seinem Smartphone abhängen. Am besten dort, wo es kostenloses WLAN gibt.

Very old school

Die Zeiten sind anscheinend vorbei, in denen der Wandertag im klassischen Sinne ein Gemeinschaftstag war, der das soziale Erleben in den Mittelpunkt stellte. Wer heutzutage vorrangig das Klassenklima und die Beziehungen zwischen Schüler*innen und Lehrkraft verbessern will, gilt in der Tat als very „old school“.

Da sind ja selbst die Bildungspolitiker moderner. So stellte z. B. das bayerische Kultusministerium bereits 2005 fest, dass Wandertage ihre ursprüngliche Zielsetzung verloren haben. Statt Wandertagen können bayerische Schulen seitdem auch sogenannte Pädagogische Tage festsetzen. Was pädagogisch ist, entscheiden dabei letztlich die Lehrkräfte der Schulen.

Der Weg ist das Ziel

Kein Wunder also, dass das gemeinschaftliche Wandern als Schulklasse allerorts zu einem Auslaufmodell avanciert, wenn Kinos, Thermen und Freizeitparks attraktivere Ziele sind. Nur unterscheidet sich das klassische Wandern von diesen Unternehmungen in einem Punkt sehr deutlich. Es ist selbst das Ziel.

Sich gemeinsam an der frischen Luft zu bewegen und dabei Freude (Spaß!) an der Natur zu entwickeln, lohnt sich nicht nur im Hinblick auf die Beziehungen und das Klassenklima. Kinder und Jugendliche, die mehrere Stunden lang ohne Smartphone in der Hand und Kopfhörer auf den Ohren wandern, kommen trotz anfänglichem Widerwillen irgendwann gedanklich zur Ruhe (Erholung!) und sind am Ende glücklich und stolz über die zurückgelegte Strecke.

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