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Ein digitales Medienkonzept erstellen

So digitalisieren Sie Ihre Schule

Es gibt kein Medienkonzept zur digitalen Bildung, das für alle Schulen passt. Jede Schule muss daher ihr individuelles Medienkonzept selbst erstellen. Doch wie geht man bei einer solchen Konzipierung genau vor?

Soll man einfach einen Klassensatz Tablets bestellen? Oder in jedem Klassenzimmer ein Whiteboard bzw. Smartboard montieren? Sind Beamer nicht vielleicht doch sinnvoller? Auf diese und ähnliche Fragen sollte man als Schule Antworten haben und zwar möglichst, bevor man ein Medienkonzept in die Tat umsetzt.

Wie katapultiert man also eine Schule so gut wie möglich ins digitale Zeitalter? Indem man das Ganze sorgfältig plant und dabei durchdacht vorgeht. Eine gute digitale Schule ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis eines klug konzipierten Plans.

Doch womit fängt man an und an was muss man alles denken? Hier finden Sie ein paar Punkte, wie man als Schulleitung oder verantwortliche Lehrkraft vorgehen könnte.

1. Erfassen Sie, was da ist.

Keine Schule startet von einem Nullpunkt aus, sondern verfügt bereits über digitale Ressourcen. Deshalb ist es sinnvoll, eine Inventur durchzuführen, bevor man ein digitales Medienkonzept erstellt. Welche Ausstattung, die digitalen Unterricht ermöglicht, gibt es bereits an der Schule? Welche Kolleginnen und Kollegen haben längst schon damit begonnen, ihren Unterricht didaktisch und pädagogisch auf digital umzustellen? Mit welchen Medien arbeiten sie konkret in ihrem Unterricht? Auf welche Hard- und Software greifen sie dabei zurück? Listen Sie auf, was da ist.

2. Klären Sie, was möglich ist.

Nachdem Sie den Ist-Stand erfasst haben, sollten Sie sich um Ihre Möglichkeiten kümmern. Dazu empfehle ich Ihnen, ein oder mehrere Gespräche mit Ihrem Schulträger bzw. Sachaufwandsträger zu führen. Welche Ausstattung ist an Ihrer Schule überhaupt möglich? Klären Sie in diesen Gesprächen, was in Punkto digitaler Hard- bzw. Software und finanzieller Ressourcen in einem Zeitraum von 1 bis 3 Jahren für Ihre Schule vorgesehen ist.

Klären Sie in diesen Gesprächen vor allem auch die Frage, ob Ihre Schule in absehbarer Zeit WLAN erhält oder nicht. Informieren Sie sich zudem über die einzelnen Schritte der Ausstattungsbeschaffung. Manche Schulträger schließen nämlich Rahmenverträge mit Firmen ab, aus deren Warenangebot die Schulen ihre technische Ausstattung auswählen müssen.

3. Holen Sie Ihr Kollegium ins Boot.

Vor diesem Schritt sollten Sie sämtliche Rahmenbedingungen abgeklärt haben. Denn diese spielen eine wichtige Rolle. Nicht selten schränken nämlich schon die technischen Voraussetzungen den Handlungsspielraum der Schule erheblich ein.

Erst dann können Sie sich einem noch wichtigeren Faktor bei der Erstellung eines digitalen Medienkonzeptes zuwenden: den Lehrern – also Ihren Kolleginnen und Kollegen. Diese sollten Sie unbedingt zu einem großen Teil mit ins Boot holen. Doch bevor Sie das machen können, müssen Sie das Boot erst einmal bauen.

Führen Sie deshalb eine schonungslos ehrliche Diskussion in Ihrem Kollegium über den Stellenwert digitaler Medien in Gesellschaft, Schule und Unterricht. Finden Sie heraus, welche Positionen Ihr Kollegium generell in Bezug auf die Digitale Bildung einnimmt. Das Ziel besteht darin, am Ende der Diskussion eine möglichst breite Verständigung zwischen den Lehrkräften und der Schulleitung zu erzielen.

Seien Sie darauf gefasst, dass nicht jede Lehrerin oder jeder Lehrer das Lernen mit digitalen Medien ausschließlich positiv einschätzt. Man kann auch schlechten Unterricht mit modernen Medien machen. Auch 100% digitaler Unterricht wäre ungünstig und nicht jeder Unterricht lässt sich digitalisieren. Schon allein aus diesen Gründen ist es mehr als perfektionistisch, alle Kolleginnen und Kollegen mit ins Boot zu holen. Seien Sie deshalb schon zufrieden, wenn Ihnen „lediglich“ zwei Drittel Ihres Kollegiums folgen.

4. Erstellen Sie einen Zeit-, Maßnahmen- und Umsetzungsplan.

Nun beginnt die eigentliche Konzeptionsarbeit erst. Bilden Sie Arbeitskreise und überlegen Sie, welches Wissen und welche Kompetenzen die Schule den Schülerinnen und Schülern in Punkto digitale Medien vermitteln sollte. Denken Sie dabei auch über den Tellerrand hinaus und berücksichtigen Sie Bereiche wie Medienethik, Medienmündigkeit, Datenschutz und Urheberrecht. Finden Sie heraus, in welchen Fächern oder in welchen Lernprozessen dieses Wissen und die Fertigkeiten am besten miteinbezogen werden könnten. Wie können digitale Medien zum Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler beitragen und die Qualität des Unterrichts steigern?

Führen Sie Ihre Ideen zusammen. Erstellen Sie daraus einen Maßnahmenkatalog, in dem Sie die Vorschläge nach sorgfältiger Prüfung aufnehmen. Identifizieren Sie an dieser Stelle Dopplungen und unrealistische Zielsetzungen, die Sie streichen können. Legen Sie für jeden Punkt fest, wie viel Zeit Sie der Umsetzung jeder einzelnen Maßnahme einräumen und wer dafür verantwortlich ist.

Legen Sie Ihr Konzept anschließend weiteren Schulgremien vor. Lassen Sie es sich jedoch nicht mehr zerschießen, sondern bitten Sie die Schülerinnen und Schüler, den Elternbeirat oder auch den Schulträger lediglich um Verbesserungsvorschläge und konstruktive Kritik.

5. Erstellen Sie ein Fortbildungskonzept.

Leiten Sie aus Ihrem Konzept ab, was die Lehrerinnen und Lehrer für Wissen und Fähigkeiten brauchen, um digitalen Unterricht an Ihrer Schule real werden zu lassen. Suchen Sie geeignete Fortbildungsveranstaltungen und/oder Referenten heraus. Schicken Sie Lehrkräfte auf Bildungstagungen und Kongresse – vor allem wenn sich diese mit der Digitalisierung des Klassenzimmers befassen.

Hospitieren Sie in anderen Schulen, die schon einen Schritt weiter sind. Hören Sie sich im Internet und auf sozialen Netzwerken um, was andere Kolleginnen und Kollegen für Erfahrungen mit digitalen Medien im Unterricht machen.

Sehen Sie zu, dass jede Kollegin und jeder Kollege sich im Sinne Ihres Medienkonzeptes weiterentwickelt. Besonders Lehrkräfte, die digitalen Medien eher skeptisch begegnen, können das Konzept an dieser Stelle nochmals ins Wanken bringen.

6. Lassen Sie Lehrkräfte, die mit Begeisterung schon digital unterrichten, vorangehen.

Auch wenn die Digitalisierung aufs Gaspedal zu drücken scheint – eine Schule digital zu machen, ist ein langfristiger Prozess. Deshalb sollten Sie keinen Zeitpunkt ins Auge fassen, ab dem die Schule auf einmal digital sein soll. Sehen Sie sich ab sofort als digitale Schule.

Lassen Sie die Lehrkräfte, die längst schon mit digitalen Medien unterrichten, vorangehen. Beziehen Sie sie auch aktiv bei den Fortbildungen mit ein. Hospitieren Sie bei diesen Kolleginnen und Kollegen. Beobachten Sie vor allem die Schülerinnen und Schüler dabei und achten Sie auf die veränderten Beziehungen zwischen ihnen und der Lehrkraft.

7. Holen Sie sich Unterstützung.

Das Kerngeschäft der Lehrerinnen und Lehrer ist der Unterricht. Eine Schule ins digitale Zeitalter zu heben, ist allerdings eine Mammutaufgabe, die sehr viel Zeit und Energie kostet. Dessen sollten Sie sich als Schulleitung oder als verantwortliche Lehrkraft stets bewusst sein. Sich Unterstützung zu holen, sollten Sie daher nicht als Schwäche, sondern als Stärke sehen.

Greifen Sie deshalb auf einen externen Berater oder einen Moderator zurück, der gemeinsam mit Ihnen diesen ganz individuellen Weg gehen und ihn freiräumen kann.

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