In den meisten Bundesländern biegt das Schuljahr Mitte Mai so langsam auf seine Zielgerade ein. Zeit, den Schluss langsam vorzubereiten. Höhepunkt an vielen Schulen ist dabei sicherlich das Jahresabschluss- bzw. Sommerfest – eine Feier, zu der meist alle Mitglieder der Schulfamilie eingeladen werden, um das Schuljahr gebührend zu verabschieden.

Ein derartiger Schlussakt ist an und für sich nichts Außergewöhnliches. Auch Olympische Spiele und Europa- oder Weltmeisterschaften haben eine Schlussfeier. Allerdings verfügen diese auch über eine Eröffnungsfeier – einen Brauch, den man an vielen Schulen hingegen vergeblich sucht.

Vom Zauber des Anfangs

In der Tat: Feste zum Schuljahresbeginn sind an deutschen Schulen ziemlich selten. Die Eltern mitsamt den Schülerinnen bzw. Schülern und deren Geschwister zu einem Fest einzuladen, bevor das Schuljahr richtig startet, machen nur wenige Schulen. Dabei würde sich eine solche Eröffnungsfestivität wahrscheinlich mehr lohnen als eine Schuljahresabschlussfeier.

Denn die Wirkung eines Sommerfestes verpufft meist durch die darauffolgenden sechs Wochen Sommerferien. Eine gemeinsame Feier zu Beginn des Schuljahres kann hingegen länger nachhallen und eine angenehme Atmosphäre fürs gesamte Schuljahr kreieren.

Wer als Schule seine Schülerinnen und Schüler mitsamt deren Eltern zum neuen Schuljahr aufrichtig begrüßt, erobert auf diese Art und Weise nicht nur spielend leicht das Vertrauen der Neuen, sondern kann auch bereits bestehende Beziehungen auffrischen. Stichwort: Erziehungspartnerschaft.

Säen und ernten

Lebt die Schule zudem wahre Willkommenskultur vor, anstatt sie nur im Schulprofil anzupreisen, gewinnt sie in doppelter Hinsicht. Denn wer sich wertgeschätzt fühlt, schätzt auch andere wert. Geben Schulen Schülerinnen, Schülern und Eltern wirklich das Gefühl, willkommen zu sein, werden die meisten Schülerinnen und Schüler auch jeden Tag gerne wieder kommen.

So gesehen kann ein Schuljahreseröffnungsfest wirklich ein Gewinn für alle sein. Allerdings nur, wenn zwischen Schülern, Eltern und Lehrern noch keine einzige Note steht.

Deshalb sollte ein derartiges Fest möglichst noch in der ersten oder zweiten Schulwoche gefeiert werden, am besten natürlich an einem Freitagnachmittag oder Samstag- bzw. Sonntagmittag, damit auch ja alle daran teilnehmen können. Schließlich soll sich ein Wir-Gefühl einstellen – ein Gefühl, dass sich alle gegenseitig vertrauen: Lehrer und Schüler, Lehrer und Eltern.

Alle in einem Boot 

Gerade die Erwachsenen profitieren in besonderem Maße von solch einem Fest. Sie werden nämlich sehen, dass die Schülerinnen und Schüler mit einer derartigen Ausgangslage während des Schuljahres viel weniger Probleme haben und schaffen. Und auch als Eltern reagiert man anders, wenn man die Lehrer sowie die Schule der Tochter oder des Sohnes von Beginn an bestens kennt.

Doch damit dies alles gelingen kann, ist es wichtig, an diesem Festtag weder die Schule, noch einzelne Projekte oder die Fächer in den Vordergrund zu stellen, sondern lediglich das Schuljahr. Das gilt es zu feiern. Deshalb stellen Sie einen Grill auf, bieten Sie Beilagen, Salate und Getränke an und kommen Sie miteinander ins Gespräch. Die Menschen sollen im Mittelpunkt stehen.

Speziell an diesem und an allen anderen Tagen.