Jeder verbindet mit der Stadt etwas anderes. Das war schon vor mehr als 100 Jahren so. Damals fühlten sich Impressionisten wie Monet und Grosz von der Atmosphäre, dem Licht und der Bewegung der Stadt regelrecht angezogen, während die Expressionisten sie wegen der Elendszustände und der zunehmenden Anonymität der Menschen nur verabscheuten. Auch heute scheiden sich an der Stadt die Geister.

Für die einen ist sie zu hektisch, zu laut oder zu vollgestopft mit Verkehr und nervösen Menschen, die nie Zeit haben und ständig durch die Straßen hetzen, als wären sie von gigantischen Teilchenbeschleunigern infiziert worden, um möglichst rasch in ihre Wohnung zu kommen, wo sie sich verbarrikadieren und sich nach und nach isolieren. Andere lieben die Stadt gerade deswegen, dass immer etwas in ihr los ist und ihre Straßen tags wie nachts voll sind. Sie finden es toll, dass zu jeder Uhrzeit in der Stadt etwas geboten wird und man zu jeder Tageszeit das bekommt, was man will.

Ein faszinierendes Gebilde

So oder so – Städte können faszinierend sein und Menschen inspirieren. Allein der Name einer Stadt, wie New York, Berlin oder Buenos Aires, weckt schon eine Flut von Assoziationen in den Köpfen der Menschen – selbst dann, wenn sie noch niemals dort waren. Städte liegen nun mal im Trend. Wer hat nicht schon mal einen Trip nach London, Wien, St. Petersburg oder Hamburg gemacht? Eine Reise in eine Stadt, in der man noch nie zuvor war, ist immer Inspiration pur. Man sollte halt nicht ausschließlich das Reiseführer-Programm abspulen, sondern sich der Stadt auch auf eine andere Art und Weise als über nur die Hauptsehenswürdigkeiten nähern. Denn als Fremder ist man um ein Vielfaches aufmerksamer als Einheimische.

Diesen Vorteil sollte man nutzen, wenn man in einer Stadt herumbummelt. Spannende Ecken bleiben einem verborgen, wenn man nur stur nach Reiseführer verfährt. Besser man erkundet die Stadt auf eigene Faust, z.B. indem man sich ein Mehr-Tages- oder Wochenticket für die U-Bahn oder Straßenbahn kauft und an möglichst vielen Stationen aussteigt. Gerade in den Stadtteilen, die man nicht so auf der Rechnung hat, entdeckt man gerne Dinge, die man noch nie gesehen hat bzw. für die man zuvor regelrecht blind gewesen ist.

Wahre Sehenswürdigkeiten entdecken

Aber auch in den zentralen Stadtvierteln kann man abgelegene Orte entdecken. Blicken Sie doch einfach mal über die Schaufenster der Fifth Avenue, der Champs-Elysées oder der Oxford Street. Eine echte Alternative! Oder öffnen Sie mal Türen, die Sie nie zu öffnen gewagt hätten. Ein solcher Türöffner hat mich mal vor Jahren in Wien plötzlich ins Vorzimmer des Bundeskanzleramtes katapultiert. Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.

Wer mit offenen Augen durch eine Stadt geht, entdeckt die wahren Sehenswürdigkeiten. Schöne Architektur, versteckte Gärten, geheimnisvolle Gehwege. Eine Stadt bietet halt mehr als nur einen Anblick. Nutzen Sie das aus und sehen Sie sich die Metropole aus einer anderen Perspektive an! Klettern Sie auf Aussichtsplattformen, fahren Sie auf einen Turm hinauf und blicken Sie auf die Stadt hinab. Steigen Sie in ein Boot und lassen Sie sich die Stadt vom Wasser aus zeigen. Oder legen Sie sich auf den Boden und blicken Sie zur Stadt hinauf – die Piazza del Campo in Siena eignet sich hierzu bspw. hervorragend.

Sie werden sehen. Eine Stadt hat unzählig viele Gesichter. Und noch mehr davon bewegen sich durch ihre Straßen. Nirgendwo ist das Leben vielfältiger als in einer Stadt. In New York z.B. begegnen sich tagtäglich Menschen aller Kulturen. In Büros arbeiten Amerikaner mit Australiern, Chinesen, Brasilianern und Deutschen zusammen. Die meisten Menschen sind offen und gesellig. Ihr Sinn nach Freiheit und Individualismus hat sie in die Stadt getrieben und sie haben ihrerseits die Stadt zu einem Ort des Frohsinns gemacht.

Matcher & Macher 

Wohin man in einer Stadt auch blickt, überall florieren Handel und Tausch. Menschen mit Machermentalität trifft man nahezu an jeder Straßenecke. Sie finden zu einander, helfen einander, teilen Gegenstände und Wissen miteinander und entwickeln sich gemeinsam weiter.

Sollten Sie also demnächst in eine fremde Stadt fahren oder Zeit haben, die Stadt, in der Sie leben, wieder wie zum ersten Mal zu erkunden, dann lassen Sie sich einfach treiben und die urbane Lebenswelt auf sich wirken. Brechen Sie bewusst mit dem Tempo der Metropole. Fühlen Sie den Puls der Zeit, passen Sie sich ihm aber nicht an. Schlendern Sie gemächlich durch die Straßen und Viertel und genießen Sie die Farbenvielfalt, die Ihnen die Stadt bietet: grauer Beton, blau getönte Fenster, grüne Bäume, gelbe Autos. Lassen Sie sich in den Fußgängerzonen und auf den Boulevards und Avenues überholen und blicken Sie den Menschen ins Gesicht. Suchen Sie an jeder Straßenecke nach echten Sehenswürdigkeiten und finden Sie Kuriositäten.

Denn neue Eindrücke führen zwangsläufig zu neuen Gedanken. Machen Sie einen Stadtspaziergang, der Ihre Sinne schärft. Sehen Sie sich die Stadt nicht nur an, sondern hören Sie ihr zu und finden Sie heraus, wie sie schmeckt, riecht und sich anfühlt. Nicht selten fallen Ihnen tolle Ideen und Lösungen für Ihre Anliegen und Probleme ein. Machen Sie Fotos zu wichtigen Gedanken und geben Sie diesen Fotos anschließend aussagekräftige Bildunterschriften.

Und fotografieren Sie keine zentralen Sehenswürdigkeiten, sondern tragen Sie diese im Herzen.