Herr Müller-Meier-Schulze müsste eigentlich schon längst ein Informationsschreiben zur anstehenden Sommersportwoche an die Eltern seiner Klasse herausgeben, hadert aber schon seit Tagen mit seinen Worten im Brief. Schließlich könnten manche Mütter und Väter seine Formulierungen eventuell in den falschen Hals kriegen.

Und auch Frau Schmidt ist sich unsicher, ob sie am Wandertag mit ihrer Klasse wirklich in den Tierpark gehen soll. Denn statt sich auszumalen, wie ihre Fünftklässler mit leuchtenden Augen vor dem Affengehege stehen werden, denkt sie vor allem darüber nach, was alles passieren könnte: Einige Schüler könnten nämlich verloren gehen, von Tieren gebissen werden oder sich auf dem Spielplatz den Fuß verstauchen. Vielleicht wäre es doch besser, den Ausflug lieber bleiben zu lassen…

Mit beiden Füßen auf der Bremse

Hand aufs Herz! Kolleginnen und Kollegen wie Herr Müller-Meier-Schulze und Frau Schmidt gibt es doch wahrlich an jeder Schule. Menschen, die bekannt und berühmt-berüchtigt dafür sind, dass sie sich gerne verzetteln und simple Entscheidungen oder Handlungen ewig lang und zum Ärger anderer hinauszögern. Menschen, die vorrangig negativ denken und es scheinbar nicht schaffen, wichtige Dinge zügig und konsequent zu erledigen.

Denn statt das zu erledigen, was eigentlich schon längst hätte erledigt werden müssen, verlieren sich diese Lehrkräfte bzw. Schulleitungen in Nebensächlichkeiten, da sie jede noch so irrelevante Möglichkeit oder Eventualität bis ins kleinste Detail durchdenken.

Nicht selten werden gerade durch solche Menschen interessante Projekte, in die andere Kolleginnen und Kollegen viel Zeit und Energie gesteckt haben, gekippt. Ich gehe jede Wette ein, dass dies an Schulen immer wieder passiert.

Warum verzetteln sich diese Menschen?

Weil die betroffenen Kolleginnen und Kollegen einerseits mehr Probleme als Möglichkeiten sehen und andererseits das Wichtige nicht vom weniger Wichtigen und das Dringende nicht vom weniger Dringenden unterscheiden können. Deshalb setzen sie die falschen Prioritäten und geben sich wie Herr Müller-Meier-Schulze lieber mit Formulierungen als mit dem Brief als solches ab.

Zudem messen sie unterschiedliche Sachverhalte mit der gleichen Wertigkeit. Ein Adjektiv wird plötzlich genauso wichtig wie das Informationsschreiben selbst, eine irrelevante Eventualität genauso bedeutend wie der Ausflug.

Sind das Perfektionisten?

Solche Kolleginnen und Kollegen wollen möglichst keine Fehler begehen, die man ihnen nachher vorhalten könnte. Gerade für Lehrkräfte ist ein solcher Anspruch nachvollziehbar, tragen sie in der Schule doch meist die Brille, mit der sie richtig und falsch voneinander unterscheiden können. Werden deswegen jedoch wichtige Entscheidungen und Informationen aufgeschoben, ist ein derartiger Anspruch auf Perfektion eindeutig verfehlt.

Sich an einzelnen Wörtern oder Formulierungen zu verkünsteln, während die Eltern auf wichtige und vielleicht so dringende Informationen warten bzw. einen Ausflug in den Tierpark von Eventualitäten und Möglichkeiten abhängig zu machen, die unter Umständen niemals eintreten, ist verfehlt.

Es gibt nun mal einen Unterschied, ob man die Dinge richtig macht oder die richtigen Dinge macht. Ich rate auf jeden Fall zu Letzterem. Das Falsche richtig zu machen, führt selten zum Erfolg.

Zeigen Sie deshalb Menschen, die sich ständig mit Irrelevantem verzetteln und jegliche Eventualitäten und Möglichkeiten in Betracht ziehen ein für alle Mal die rote Karte! Weisen Sie sie darauf hin, dass ihr Nichthandeln, Verschleppen, Hinauszögern und Bedenkentragen Sie in Ihrer täglichen Arbeit behindert.

Geben Sie Ihnen eine Chance, sich zu ändern. Wenn allerdings klar wird, dass sie sich nicht ändern wollen, halten Sie sich von ihnen fern. Oder geben Sie ihnen Irrelevantes, mit dem sie sich beschäftigen können.