Sind Sie schon mal in die Bodo-Bach-Falle getappt? Sie ist eine meiner Lieblingsfallen. Wahrscheinlich deshalb, weil ich da selber regelmäßig reinrausche. Erst vor kurzem war es wieder soweit: Ein Schüler (9. Klasse) hatte im Geschichtsunterricht sein Buch nicht vor sich auf der Bank liegen. Also fragte ich ihn: „Ähm…wo ist denn dein Buch?“ Verlegen antwortete er: „Das habe ich verloren.“ Ich zog die Luft ein und sah ihn direkt an. „Na bravo!“, sagte ich. „Und was machen wir jetzt?“

Treffer. Mitten rein in die Bodo-Bach-Falle! Bodo Bach ist eine fiktive Komikfigur, die der Radiomoderator Robert Treutel Mitte der 90er Jahre zum Leben erweckt hat. Bekannt wurde Bodo Bach vor allem durch seine Scherzanrufe im Radio, bei denen er seine Gesprächspartner mit seinen Fragen und Anliegen auf Hessisch zur Weißglut treiben konnte. Sein Markenzeichen war dabei der Satz, mit dem er jedes Telefonat begann: „Isch hätt da gern emal ein Problem…“

Auch isch hätte da gerne emal ein Problem gehabt und – Zack! auch eins bekommen. Nämlich das des Schülers. Weil ich nämlich auf seine Mitteilung, er habe sein Buch verloren, reflexartig zum Pronomen „Wir“ gegriffen hatte, war sein Problem flugs auch zu meinem Problem geworden.

Wessen Problem ist es eigentlich?

Solche Situationen widerfahren uns täglich. Ganz gleich, ob wir Eltern, Lehrer, Führungskräfte oder Schulleitungen sind. Tag ein, tag aus, kommen Menschen auf uns zu, die ein Problem haben. Das ist per se nichts Schlechtes – im Gegenteil. Es zeigt durchaus, dass jemand uns Vertrauen entgegenbringt und vielleicht auch darauf setzt, dass wir einen Beitrag zur Lösung des Problems leisten können.

Doch das bedeutet noch lange nicht, dass wir das Problem auch zu unserer eigenen Angelegenheit machen müssen. Sicher: Als Eltern einer 5-jährigen Tochter kommt man seiner Pflicht nicht aus, den platten Vorderreifen ihres Fahrrads zu reparieren. Und auch Schülerinnen und Schülern müssen von ihren Lehrkräften unterstützt werden, wenn sie nicht dazu in der Lage sind, sich selbst aus einem Schlamassel zu befreien.

Allerdings ist eine Führungskraft am mehrfachen Verschlafen ihres Mitarbeiters nicht mitschuldig. In diesem Fall mit einem beherzten „Und was machen wir jetzt da?“ zu reagieren, wäre deshalb verfehlt und würde dem schläfrigen Kollegen nur signalisieren, dass die Führungskraft gewillt ist, mit dem Mitarbeiter nach einer Lösung zu suchen.

Wer löscht das Feuer? 

Im Idealfall sollte dem Mitarbeiter klar werden, dass er ein Problem hat und dass es ausschließlich an ihm liegt, dafür eine Lösung zu finden. Ihm brennt der Hut. Und er hat das Feuer obendrein noch selbst gelegt. Deshalb muss auch er und niemand anders den Brand löschen.

Vorsicht also vor dem Gebrauch des gemeinschaftlichen „Wir“. Es kann wie ein Bumerang auf Sie zurückkommen. Vermeiden Sie daher, die Probleme der anderen Menschen zu Ihren eigenen Angelegenheiten zu machen. Denn damit halsen Sie sich in neun von zehn Fällen nur zusätzliche Arbeit auf, auf die Sie garantiert lieber verzichten würden. Lassen Sie kein Problem, das als Mücke zu Ihrer Tür hineinfliegt zu einem Elefanten werden, den Sie so schnell nicht mehr loswerden. Fragen Sie lieber statt „Und was machen wir jetzt?“ sachlich und neutral nach: „Ach ja? Und was gedenken Sie nun zu tun?“

Sollte Ihnen das „Wir“ dennoch in einer solchen Situation entschlüpfen, bleiben Sie cool. Sie können es ganz leicht wieder einfangen. Korrigieren Sie Ihre Aussage einfach, so wie ich in meinem Fall. Denn nachdem mir bewusst geworden war, dass ich mich wie Bodo Bach angestellt hatte, sah ich den Schüler nach einer kurzen Pause ernst an und sagte: „Sorry, ich meinte natürlich: Was gedenkst du jetzt zu tun?“

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