PISA hat unsere Schullandschaft nachhaltig verändert. Seit dem PISA-Schock vom Dezember 2001 ist in der deutschen Bildungslandschaft nichts mehr, wie es mal war. Egal ob bundesweite Studien, Ländertests, landesweite Jahrgangsstufentests oder einfach nur klassenübergreifende Vergleichsarbeiten – an allen Schulen wird mittlerweile verglichen, was das Zeug hält. Eine bedenkliche Entwicklung, wie ich finde.

Viele glauben, dass dank der PISA-Studie eine neue Ära der Schulentwicklung und Schulqualität eingeläutet wurde. Doch da täuschen sie sich.

Wir testen uns zu Tode, nur wozu?

Denn für die Schüler ändert sich meist nichts. Nur dass sie halt noch mehr getestet und bewertet werden, als das eh schon der Fall ist. Wen wundert´s also, dass die Jugendlichen diese Vergleichsarbeiten oftmals ohne Motivation ausfüllen – zumal die Resultate primär auch gar nicht für sie bestimmt sind und für ihre berufliche Zukunft keine Relevanz besitzen. In der Tat haben die Schüler von den Vergleichsarbeiten am allerwenigsten. Das hängt in erster Linie damit zusammen, dass Lehrer aus den Ergebnissen kaum Konsequenzen für ihren Unterricht ableiten. Viele halten an ihrem Unterrichtsstil einfach weiter fest. Denn auch die Lehrer selbst sind der Tests mittlerweile überdrüssig und lassen sie über sich ergehen. Oder sie verstehen sie falsch und bereiten ihre Schüler ausgiebig und zeitaufwändig darauf vor. Dabei wäre diese Zeit für die Beziehungsarbeit mit den Jugendlichen sicherlich wertvoller.

Schule ist kein Leistungssport 

Steigt die Schule aber im Ranking nach oben, freuen sich alle. Und spielen damit genau den Politikern in die Karten. Denn dazu gibt es solche Studien überhaupt: um die Nation im Ranking nach oben zu bringen. PISA ist nichts weiter als die Legitimation für Bildungspolitiker, Bildungspolitik zu betreiben. Und nebenbei ernähren PISA und alle anderen Vergleichsstudien eine ganze Testindustrie. Dabei prüfen die meisten Vergleichsarbeiten nur schulische Inhalte ab. Kreativität, Teamfähigkeit und andere Soft Skills bleiben außen vor. Anders ausgedrückt: PISA testet nur, was PISA testen will. Alle Schüler werden dabei über einen Kamm geschert. Individuelle Begabungen und Talente, persönliche Biografien und soziale Herkunft werden nicht berücksichtigt.

Ist das nicht schizophren? 

Komisch ist es allemal. Da schreit eine ganze Republik nach Differenzierung und Individualisierung und prüft im Gegenzug Gleichmacherei und Einheitsbrei ab. Kann mir jemand verraten, was das soll? Wie kann man zwei völlig entgegengesetzte Ziele simultan verfolgen?

Deshalb sollten wir diese Vergleichsstudien stoppen. Wer Bildungspolitik betreiben will, sollte keine Schlüsse aus Statistiken ziehen, sondern in die Schulen gehen und sich für die tagtägliche Arbeit der Erzieher und der Lehrer mit den Kindern und Jugendlichen interessieren. Also liebe Bildungspolitiker: Schaut euch die Schulen an! Erkennt, was dort geleistet wird, und hört den Menschen dort zu. Schulen brauchen mehr Verantwortung und Eigenständigkeit. Das ist echte Differenzierung und Individualisierung! Die Zeiten sind vorbei, in denen man von Schreibtischen im Ministerium aus Schulpolitik macht.

Mit PISA und sonstigen Vergleichstests verändert man die Schule nicht. Denn womit vergleichen wir uns überhaupt? Mit Shanghai? Die stehen dank Drill in der PISA-Studie zwar oben, haben aber eine erschreckend hohe Selbstmordrate bei Kindern und Jugendlichen.

Was sagt die PISA-Studie also aus?

Wir sollten uns nicht vergleichen.