Wann saßen Sie das letzte Mal in einem Garten und haben nichts gemacht, außer in die Natur geblickt? Sich nicht auf ein Display oder Buch konzentriert, sondern voll und ganz auf das, was Sie umgeben hat?

Wer einen Garten besitzt, kann sich glücklich schätzen, denn ein Garten ist – und sei er noch so klein – eine außergewöhnliche Fundgrube der Inspiration. Er bietet unzählige Möglichkeiten der Entspannung und Eingebung. Wer will, kann planlos in ihm herumwerkeln und experimentieren: Blumen und Sträucher so anordnen, dass sie in der Blütezeit ein harmonisch-ästhetisches Bild ergeben. Wem das gelingt, der wird seinen Versuch als Erfolg feiern; scheitert das Experiment, ist es eben gescheitert – eine Denkweise, die auch im Leben außerhalb des Gartens durchaus weiterhelfen kann.

Ein Ort des Müßiggangs 

Ein Garten kann aber auch ein Tempel des Nichtstuns sein. Manche Menschen schätzen gerade diese Eigenschaft an ihm, in ihm nicht unbedingt tätig zu müssen. Sie überlassen das Schaffen lieber der Natur, setzen sich auf einen Gartenstuhl oder legen sich in eine Hängematte und denken sich dort die verrücktesten Ideen aus.

Die Natur wird schon machen, denken sie sich. Und die Natur macht. Man muss nicht viel tun, um einen schönen Garten zu bekommen. Das Meiste übernimmt sie eh  – und wahrlich sie versteht ihr Handwerk. Aus den winzigen Samenkörnern zaubert sie farbenprächtige und einzigartige Geschöpfe. Alles, was sie erschafft, gibt es nur einmal. Nicht zwei Bäume, Sträucher oder gar Blumen sind identisch, auch wenn sie sich noch so gleichen.

Kreativität und Produktivität

Dies macht einen Garten zweifelsfrei zu einem Ort der Kreativität und Produktivität. Auch Menschen können darin ungemein kreativ und produktiv sein. Wer das nicht glaubt, sollte nur einmal Kindern in Gärten zusehen. Sie können stundenlang selbstverloren darin spielen – und das auch ohne Spielzeug. Sie denken es sich einfach aus oder spielen mit dem, was der Garten ihnen bieten. Kinder helfen übrigens für ihr Leben gerne beim Gärtnern. Wer Obst oder Gemüse mit ihnen anpflanzt, wird beobachten, wie Kinder ab sofort dem Tag entgegenfiebern, an dem sie ihre Früchte ernten können. Bis dahin kann man sie vertrösten, indem man mit ihnen z.B. Blumen aus dem Garten pflückt und sie zu einem schönen Bouquet in einer Vase arrangiert.

Schade nur, dass sich wir uns in unserer geschäftigen Welt viel zu wenig Zeit für das Entdecken unserer Gärten nehmen. Denn ein Garten ist Balsam für die Seele und beugt so Burnout vor. Vielmehr noch – er spricht die Sinne an. Je nach Tages- und Jahreszeit blühen und duften die unterschiedlichsten Blumen und Gewächse in ihm. Wer einen Rosengarten besitzt, weiß genau, was ich meine. Und wer seine Wäsche in seinem duftenden Garten zum Trocknen aufhängt, kann den Wohlgeruch auch noch Tage später mit sich herumtragen – ein Aroma, das kein Waschmittel oder Weichspüler der Welt so hinbekommt. Das schafft eben nur die Natur.

Worauf richten sich unsere Gedanken?

Ein Garten kann uns aber auch etwas verraten – nämlich, wie wir denken. Was fällt uns auf? Sehen wir primär die Schönheit des Gewächses oder eher das Unkraut? Sehen wir das, was passt, oder das, was nicht passt? Egal, wie viel Unkraut sich in einem Garten befindet, gehen Sie öfters hin. Auch im Herbst und im Winter. Legen Sie sich im Frühling und Sommer ins Gras und schauen Sie in den Himmel. Oder laufen Sie barfuß durch das nasse Gras.

„Die Natur soll euer erster Lehrer sein“, meinte Bernhard von Clairvaux (um 1090-1153) schon im 12. Jahrhundert. Und die Natur in unseren Gärten kann uns vieles lehren. Sie entwickelt sich mit minimaler Einmischung immer weiter. Daran sollte sich jeder Mensch ein Beispiel nehmen. Auch wir sollten uns immer weiterentwickeln – und haben der Natur gegenüber noch einen Vorteil. Denn den Dünger dürfen wir uns selbst aussuchen. Nur hochwertig sollte er sein.